drüben auf dem tisch
warten briefe darauf
abgeschickt zu werden
wie sehr
zürne ich den empfängern
dass sie sie
noch immer nicht
beantwortet haben
(Slov ant Gali)
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drüben auf dem tisch
warten briefe darauf
abgeschickt zu werden
wie sehr
zürne ich den empfängern
dass sie sie
noch immer nicht
beantwortet haben
(Slov ant Gali)
so grau war der frosch
und um ihn herum
strahlend schöne grüne
und er suchte morast
als versteck für sich
und des sängers verborgene bühne
so blind war die fröschin
und er sang so schön
quak
und die mücken sie tanzten
und zu end war der tag
als sie rief
ich seh deine farben
wahre farben
ungelogen
deshalb lieb ich dich
so schön wie du bist
du gleichst dem regenbogen
der mich
oh ich hoff
jeden tag begrüßt
also hat er ihr mücken
in schmackhaften stücken
auf die zärtliche zunge geküsst
und als kaulquappen schwammen
da konnten sie sehen
es gibt nicht nur grüne frösche am teich
und das ist so leicht zu verstehen
(Slov ant Gali)
das ist
kein grinsen
das ist
erwartung dass es rumst
dass sich
was ändert
und ich bin dabei
weil ich es satt habe
immer nur
unschuldig zu sein
und nichts passiert
in diesem schuldigen land
baut endlich mit euren
kanacken
ein besseres leben
und nennt sie menschen
wie sie euch
(Slov ant Gali)
Der hof war ein kleines sehr kleines quadrat in der mitte hielt die erde sich an einer dürren wurzel fest das haus gestützt ein gestopftes gerippe es riss die tapete wie zwiebelhaut bis tief hinein ins erste jahr
Nebenan eine riesige puppenstube das war der krieg sagte meine das war eine wand einfach abrasiert wie gern hätte ich darin möbel gestellt und in den rosa grün und blau übereinander gestapelten küchen gespielt
Die kinder aber waren alle noch klein und hatten fadendünnes haar durch ihre träume gingen magere pferde und der vater ging mit dem stiefel durchs bett
aus „Nahe dem wortwendekreis“, Hain-Verlag, Rudolstadt, 1997
Bärbel Klässner ist mit "Der zugang ist gelegt" auf Lesereise - am Am 20. Juni, 20.00 Uhr im Cafe Viridis, Berlin, Blücherstr.59.
am wegrand
des großen unternehmers
lag ein kleiner bettler
mit leidensvollem blick
und ausgestrecktem holzbein
aus seiner börse
warf der milliardenschwere
eine münze
aus ausreichendem abstand
in den verschmutzten hut
wieder in seinem ledersessel
umfing ihn
ein rundum befriedigendes gefühl
gefahr überstanden und
was war er doch
für ein menschenfreund
am abend
schnallte der bettler
zufrieden mit seines hutes fülle
sein falsches holzbein ab
bettler und milliardär
waren sich einig
solch erfolgreiche tage
möge es viele geben
ich lerne das fliegen
es ist gar nicht schwer
ich brauch keine flügel
einen stift – nicht mehr
ich lerne das fliegen
ach komm einfach mit
krall dich fest bei mir
ich fühle mich fit
kommt einmal die zeit
und ich stürze ab
dann landen wir beide
in feuchtkaltem grab
solange jedoch
gehört uns die welt
wir lassen den andern
das verlangen nach geld
vielleicht
hättest du mich
nicht verlassen
hätte ich
in jener nacht
nicht so viel
schwäche gezeigt
vielleicht
wärest du dann
nie künstlerin geworden
die so treffend
über die schwäche
des mannes
geschrieben
vielleicht
wären wir
beide
buchhalter
so wie andere
die wir
nicht sind