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Freitag, 1. februar 2008
idyll am morgenkamin

sonnenschutzcremefrei nackt
springe ich
in trinkfrisches
bergseewasser
vor meiner hütte 

erfrischt knülle ich
verteidigungsminister
geheißene berufskrieger
zur fußballgroßen
papierkugel zusammen
lege hölzerne
waffenfabrikanten
luftig sich
überkreuzend
darüber
schichte verharzte
bankerscheite
ein paar ölige
stromkonzernisten
und wer noch heiß ist
auf geiz ist geil
zur pyramide

soll ich sie
anzünden?

 

von Slov veröffentlicht in: Visionen Community: Linke Literatur & Toleranz
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Donnerstag, 31. januar 2008

einladung zum gemeinsamen eintopf

 
schenk mir  ein kilo hoffnungsduft
und ein pfund vom schrei vor entzücken
zweihundert gramm ichweißnichtmehrwas
und ein ganzes stück nichtmehrdrücken

ja am besten das aus der lende geschälte
ohne enttäuschungsknochen
und ohne die sehnen vom alltagsstress
die werden nicht weich beim kochen

zwei bund neidlosmöhren die habe ich
und langfleißerbsen ganz junge  
zig jugendschoten schwimmen im topf
die brennen so heiß auf der zunge

ich gebe dir einen löffel ab
wenn du willst auch den allergrößten
und wer uns die suppe versalzen will
den werden zuvor wir uns rösten

von Slov veröffentlicht in: Heiteres Community: Linke Literatur & Toleranz
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Mittwoch, 30. januar 2008

so hohl
der baum
der erkenntnis
rissige borke
letzte alte zellen  

 

mühevoll
wandert wasser
aus edens boden

aufwärts
bis zu tauben blüten
ohne kuss

vom wind 

 

vergeblich
erwartet die schlange
reifende granatäpfel
für unsere
vertreibung

 

engel
lucifer
erfindet erst
die bienen

also dann adam
erkennen wir uns
drinnen

im warmen mulch

von Slov veröffentlicht in: Visionen Community: Linke Literatur & Toleranz
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Dienstag, 29. januar 2008

Verlockung

 
Rattenfänger, he,
spiel mir dein Lied!
Kann ohne Spiegel
nicht prüfen, nicht prüfen
bin Kind ich oder Ratte.

 Ich verspreche,
dir zu folgen,
wohin immer du mich führst,
nur weit, so weit
vom Platz ohne Morgen.

Kann schlafen nicht
noch wachen –
die Bilder in meinem Feld
sind fremd, so fremd
für eine heile Netzhaut.

In der Nachgeburten Morgenröte
steigt die Flut,
trifft mich der Fetzen
vom Haus, dem Haus,
wo ich mich sicher wähnte.

Im Kot der hungrigen Wölfe
wird Bernstein nicht
der letzte Baum,
bleibt kein Ort, kein Ort,
an den sich fliehen ließe.

 Rattenfänger, he,
spiel mir dein Lied.
In weißbehaarter Zeit
nicht denken, nicht denken,
wenn es ginge.

Rattenfänger, he,
die Noten, die du spielst,
verfehlen doch mein Ohr.
Schon suche ich die Flöte, die Flöte
für die Kinder hinter dir.

von Slov veröffentlicht in: Visionen Community: Linke Literatur & Toleranz
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Montag, 28. januar 2008

ohne mottenex

 es gibt die
lockende liebe
die sich nicht auf dauer setzt
pfauenaugenbunt lockt und
wirbelnd zerfetzt

im alten schrank
da wartet die meine
die andere romanze klamotte
die überraschend angestrahlte
kleidermotte 

ach, friss schneller
dass ich als adam
vor dir stehe
und du mich siehst
wie ich dich sehe 

ich lasse dir zeit
mein ganzes leben
in wäsche nur
versponnen gewebt von
mutter natur

von Slov veröffentlicht in: Liebe
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Sonntag, 27. januar 2008

Anamnesis

Oh, leise Dämmerung, woher kommt das Lied;
noch gar nicht müde finde ich keinen verlockenden Platz.
Oh, leise Dämmerung, bitte spiel das Lied,
und ich folge dir zum Mundharmonikanermorgen.

Nimm mich mit auf die Reise
deines Fliegenden Holländerschiffes
ich bin nackt und
meine Finger möchten greifen.
Ausgelatschte Treter streif ich von mir ab,
ich bin bereit, ins Irgendnirgendwo zu gehen,
bereit zum Überschreiten der letzten Grenze.
Ist da nicht ein Glockenklang,
bald werd ich es sehn.
Ich versprech´ wie ein Kind mich zu wundern.

Oh, leise Dämmerung, woher kommt das Lied,
wohin ich geh, wird keinen Menschen interessieren.
Oh, leise Dämmerung, bitte spiel das Lied,
und ich folge dir zum Mundharmonikanermorgen.

Nimm mich in die andre Welt
als Geist blase ich 
dem stinkenden Atem der Zeit Rauchringe ins Gesicht.
Frag nicht nach dem Kampf der Giganten,
die sich aus Spaß mit Blitzen bewerfen.
Weiß mich als Zwerg, doch spaziere unsichtbar
am sturmgepeitschten Strand,
ertanze das große Verzeihen.
Lass mich unter diamantnem Hochzeitshimmel drehen.

Oh, leise Dämmerung, woher kommt das Lied,
möcht bis morgen nur das Heute mal vergessen.
Oh, leise Dämmerung, bitte spiel das Lied,
und ich folge dir
in einen Mundharmonikanermorgen.

Mit einer Hand, die Wellen schlägt,
über der Silhouette der See
verschwimmen Erinnerungen und Hass,
versinken tief und
Atlantis kehrt nicht wieder…

Oh, leise Dämmerung, bitte spiel das Lied,
und ich folge dir
in einen Mundharmonikanermorgen.



Anamnesis ist das altgriechische Wort für Erinnerung.

von Slov veröffentlicht in: Besinnliches
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Samstag, 26. januar 2008

Königskinder am Kochtopf

 An jenem Tag, wie war ich besoffen,
da hab ich ein Mädchen in Bochum getroffen.
Sie hat mich zu sich nach Hause genommen
und es ist, was da kommen musste, wirklich gekommen.

Wir haben uns täglich zweimal geschrieben,
wie unendlich und heiß wir uns beide nun lieben.
Jedes Wochenende haben wir uns gesehen
und es ist fast immer nur Gutes geschehen.

Hach, ich fand sie so endlos wunderbar
und nach Blumen duftet im Dunklen ihr Haar.
Wie ersehnten wir den großen Termin
ihres Umzugs in mein tolles Berlin.

Doch nachdem sie mich alle Tage hatte,
gabs nur Müsli und Eintopf auf meiner Matte.
Sie wurde für mich das nackte Grauen -
dem Duft fremder Haare werd ich nun nicht mehr trauen.

... und ein schönes Wochenende wünscht Slov ant Gali

von Slov veröffentlicht in: Liebe Community: Linke Literatur & Toleranz
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Lesetipps

Satirisch-Heiteres:
Wolfgang Reuter
"High-matt-Land"
Rolf Stemmle     
"Der Mensch im Tier"

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