Anamnesis
Oh, leise Dämmerung, woher kommt das Lied;
noch gar nicht müde finde ich keinen verlockenden Platz.
Oh, leise Dämmerung, bitte spiel das Lied,
und ich folge dir zum Mundharmonikanermorgen.
Nimm mich mit auf die Reise
deines Fliegenden Holländerschiffes
ich bin nackt und
meine Finger möchten greifen.
Ausgelatschte Treter streif ich von mir ab,
ich bin bereit, ins Irgendnirgendwo zu gehen,
bereit zum Überschreiten der letzten Grenze.
Ist da nicht ein Glockenklang,
bald werd ich es sehn.
Ich versprech´ wie ein Kind mich zu wundern.
Oh, leise Dämmerung, woher kommt das Lied,
wohin ich geh, wird keinen Menschen interessieren.
Oh, leise Dämmerung, bitte spiel das Lied,
und ich folge dir zum Mundharmonikanermorgen.
Nimm mich in die andre Welt
als Geist blase ich
dem stinkenden Atem der Zeit Rauchringe ins Gesicht.
Frag nicht nach dem Kampf der Giganten,
die sich aus Spaß mit Blitzen bewerfen.
Weiß mich als Zwerg, doch spaziere unsichtbar
am sturmgepeitschten Strand,
ertanze das große Verzeihen.
Lass mich unter diamantnem Hochzeitshimmel drehen.
Oh, leise Dämmerung, woher kommt das Lied,
möcht bis morgen nur das Heute mal vergessen.
Oh, leise Dämmerung, bitte spiel das Lied,
und ich folge dir
in einen Mundharmonikanermorgen.
Mit einer Hand, die Wellen schlägt,
über der Silhouette der See
verschwimmen Erinnerungen und Hass,
versinken tief und
Atlantis kehrt nicht wieder…
Oh, leise Dämmerung, bitte spiel das Lied,
und ich folge dir
in einen Mundharmonikanermorgen.
Anamnesis ist das altgriechische Wort für Erinnerung.