Eine künstlerische Tätigkeit, die landläufig extrem unterschätzt wird, ist die des Nachdichters. Man müsste dazu zwei Sprachen kontextual perfekt beherrschen, die Aussage der lyrischen Bilder in der Zielsprache zu neuem alten Leuchten bringen und dabei noch die Form des Urgedichts in der neuen Sprache wiederherstellen – und dies, obwohl selten Reime, Taktzahl und Betonungen übereinstimmen. Ich kann natürlich nicht chinesisch. Ich habe aber einmal ein Gedicht aus freier Rhythmik in ein gereimtes „übertragen“. Fast nichts blieb übrig. Oder würde man „Harmonie chinesisch“ und „Harmonie chinesisch II“ (unter dem Lied vom schwarzen Schaf ohne diesen Vorspann und den Titel für Zwillinge halten?
Wäre ich ein Fisch sähe mein „lebenssaldo“ wohl so aus wie in dem letzten Gedicht...