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Donnerstag, 3. juli 2008

Es kann, wer Deutschland sucht,

den Zwinger nicht umgehen.

Er ist als Sammelwerk

des Protzens anzusehen.

Lebendiger Beweis

des Nutzens toter Fürsten.

Es war doch richtig schad´,

sie grausam wegzubürsten.

Die Menschen, die dereinst

in 1000 Jahren leben,

erfreut bestimmt die Kunst,

die früher es gegeben.

Wie füllt es sie mit Stolz,

was ihre Art geschaffen

auf jenem langen Weg

vom Ursprung weg,

… dem Affen.

 

Mit solchem hohen Sinn

hatt ich grad Platz genommen,

und auch der Tänzer Schar

ist auf den Hof gekommen.

Programmgemäß wurd´ dort

Ballett zur Schau gestellt,

voll Hoffnung auf Genuss

und außerdem mein Geld.

 

Der Liebe Musterstück

sollt´ grad gegeben werden:

Des Shakespeares Leidenschaft

auf balkonierten Erden.

Es spielte bei dem Tanz

das Paar die Rolle wohl,

doch wurd´ es übertrumpft

durch ein Naturidol:

Es war in diesem Fall

ein Spatz, und nicht die Lerche,

der voller Inbrunst uns

als wär die Bühn ne Kärche

beschimpft mit viel Getschilpe

und plusterndem Gehabe.

Das trug der Ehrfurcht Rest

vor großer Kunst zu Grabe.

Anstatt auf jeden Sprung,

den schwitzend´ Tänzer boten,

 

 

zu achten und den Plot

auf Tiefe auszuloten,

verführte uns das Tier,

so grau und unscheinbar,

zum Klatschen an der Stell´

und Rufen „Wunderbar!“

Betracht´ ich dieses Bild,

erkenne ich die Spur:

Hier sprach zu uns Rousseau

„Zurück zu der Natur.“

Wir alle haben zwar

die Rührung sehr genossen,

die Tränen aber sind

vor Lachen uns geflossen.

von Slov veröffentlicht in: Heiteres Community: Gedichte
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Dienstag, 24. juni 2008


was wolln unsre jungs nur an reizen verstecken

wenn so locker behost fast die knie sie bedecken

und die mädchen tun sich scheinbar schrecklich genieren

obwohl jeder doch weiß wo sie schön sich rasieren

 

wenn du mitmachst beate werd ich anderes machen

solln sie gucken und staunen oder heimlich auch lachen

komm wir wollen da oben uns das kleine bedecken

und was jeder hat hinten in die sonne raus strecken

 

wenn die äpfel dann reif so in eins zwei drei jahren

geh´n auch wir oben ohne und die welt wird erfahren

ein bikini aus haut damit machen wir faxen

und wir finden es toll denn bald sind wir erwachsen

 

(Slov ant `Gali)

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Dienstag, 1. april 2008

dem weisen wurm
mit namen che
kommt eine herrliche idee
dein lebend
sinnlos´ körperfett
macht´ seinem sohn
das leben nett 

der erben tun käm schwer ihm an
weil asche
nicht verfaulen kann 

du wärest erstmals nützlich
nur
im großen kreislauf der natur
wär unser weiser che verhungert
zu lange hätt´ er rumgelungert 

dabei ist jener wurm gedacht
dass es in schlängelei vollbracht
oh ja
verschließ nicht deine ohren
ein neuer gandhi wär geboren
mit engels´ lenins hirn vereint
hätt er die menschheit klug geeint

 doch was
ohne wurm und heil´ge kuh
machst du?


(einen vergnüglichen Start in den April wünscht Slov ant Gali)


 

 

von Slov veröffentlicht in: Heiteres Community: Linke Literatur & Toleranz
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Sonntag, 10. februar 2008

Am Anfang …

Den Affen Pithecantropus
durchzuckte einstmals, welch Verdruss,
ein Blitzgedanke, der zu nackt,
als dass sein Affenhirn ihn packt.

 
So musste er zum Menschen werden,
als der er wandelt nun auf Erden.
Er kann Verstand in Worte kleiden
und nachher noch sich daran weiden,
sie klangvoll schön zusammenbauen,
zu ganzen Denk-Wort-Modenschauen,
damit auch falsche Geistesrecken,
Verstandesblößen gut verstecken.

Ein Wort macht klug so manchen Teil,
jedoch auch oft das Gegenteil.

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Samstag, 9. februar 2008

Ein fast jugendfreies Umweltgedicht

 Besorgt um Woll, den Hütehund,
fragt sich Susann, ist der gesund.
Er tobt nicht wie ein Lebenstank –
dann ist er ohne Zweifel krank.

Ihn überfiel, oh, welcher Schuft,
der Dreck aus der verschmutzten Luft.
Das arme Tier konnt sich nicht wehren,
das Sannchen muss ihn bald entbehren. 

Die Mama nimmt das Tier ihr weg,
spricht traurig, es hat keinen Zweck.
Erklärt Susanne ungefähr,
die Schmerzen löst der Vet´rinär. 

Susannchen, bleibe draußen sitzen;
du magst doch selber keine Spritzen. 

Der Arzt erkennt es einwandfrei
dass Woll wohl eine Wolla sei,
und bald gäb´s eine schöne Stunde
voll vieler kleiner Hütehunde. 

Und was beweist uns dieser Fall
die Umwelt ists zwar überall,
ja, meistens wird’s Verschmutzung sein,
und doch nicht immer, nicht allein.


(Slov ant Gali)

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Donnerstag, 31. januar 2008

einladung zum gemeinsamen eintopf

 
schenk mir  ein kilo hoffnungsduft
und ein pfund vom schrei vor entzücken
zweihundert gramm ichweißnichtmehrwas
und ein ganzes stück nichtmehrdrücken

ja am besten das aus der lende geschälte
ohne enttäuschungsknochen
und ohne die sehnen vom alltagsstress
die werden nicht weich beim kochen

zwei bund neidlosmöhren die habe ich
und langfleißerbsen ganz junge  
zig jugendschoten schwimmen im topf
die brennen so heiß auf der zunge

ich gebe dir einen löffel ab
wenn du willst auch den allergrößten
und wer uns die suppe versalzen will
den werden zuvor wir uns rösten

von Slov veröffentlicht in: Heiteres Community: Linke Literatur & Toleranz
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Sonntag, 6. januar 2008
Rolf Stemmle

Mit der Zeit gehen

Der Wachhund war ganz plötzlich heiser,
sein Bellen daher merklich leiser.
Den Job hat er im Nu verloren,
ein andrer Hund ward auserkoren.

Nun sitzt er depressiv herum
und fühlt sich unnütz, alt und dumm.
Gebrochen fragt er sich, worin
denn nun besteht sein Lebenssinn.

Ein Hühnchen rät ihm naseweis:
“Mag einer keine Eierspeis,
kann ich mich auch als Brathuhn geben.
Flexibel sein, das ist ein Segen!“

 

aus dem Gedichtzyklus,  "Der Mensch im Tier". Rolf Stemmle gehörte zu den Siegern der Friedenslesung 2007.

von Slov veröffentlicht in: Heiteres Community: Linke Literatur & Toleranz
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Lesetipps

Satirisch-Heiteres:
Wolfgang Reuter
"High-matt-Land"
Rolf Stemmle     
"Der Mensch im Tier"

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