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Donnerstag, 12. juni 2008

Ohne Männer, glaub mir dies,
schafft Technik uns ein Paradies.
Du müsstest nie mehr trocken laufen;
kannst viele Höhepunkte kaufen.

Orgasmen, langen, vielen, dienen
sechs patentierte Sex-Maschinen,
die jede Frau genießen könnte
in einem edlen Love-Ambiente.

Für Wohlbefinden, Lebenskraft
fehlt dir nur unsre Mit-Glied-Schaft.
Im Fitness-Center „Ständer-Plus“
wird garantiert der Hochgenuss.

An Zähnen jeder Kettensäge
kleben Gummihandbeläge.
Die schmieren „Liquid-Maxidis“
direkt auf jede Klitoris

Schlagbohrhämmer grün-gelb-weiß
mit Dildoaufsatz (Einheitspreis)
uns Frauen weich die Einfahrt weiten
und das in zehn Geschwindigkeiten.

Ein Hebel regelt das Vibrieren,
bis es dich packt, das Tirilieren.
Ne Noppenstange freier Wahl
bringt Rhythmus vorn wie auch anal.

So oft, dick, lang und stets im Takt
hatt´ dies bisher kein Mann gepackt
Die Maße alle xxl.
Dein Herzschlag rast schon ziemlich schnell.
Die Klimax kommt mit Garantie.
So gibt’s Retourgeld praktisch nie. 

Zum Beitritt fehlt dir leider Geld?
Weshalb du Abos nicht bestellt?

Wir suchen ständig neue Puppen
Für Vulva-Auswisch-Fotogruppen.
Du demonstrierst voll Eleganz
Die Wirkung höchster Stimulanz
Im Fenster täglich nur vier Stunden
Entrückten Blickes – das bringt Kunden.
Und nach Orgasmus hundertzehn
darfst du mit Lohn nach Hause gehn.


 

(Slov ant Gali)

von Slov veröffentlicht in: glossiert Community: Gedichte
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Sonntag, 1. juni 2008

...ein frosch
der träumte davon
könig zu sein
mit einer krone
auf dem haupte
und siehe
ein prinzessinnenkuss
machte ihn
wenn auch nicht
zum entzauberten prinzen
so doch zu einem
zauberhaften
königsfrosch
 

tödlich trocken
bald
blieb seine haut
nicht grün
 

eines tages
kratzten fremde prinzen
den schwarzen fleck
von der tapete
der königin

(Slov ant Gali)
von Slov veröffentlicht in: glossiert Community: Muttersprache - Community
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Samstag, 3. mai 2008

mit eignem kopf da bist
du ewig loser
extremist
und selbst mit coolsten kampfpamphleten
kommst du niemals zu hochdiäten 

drum höre auf der kröten bitte
komm schnell politisch in die mitte
dort wirst du nie mehr angeblasen
auf englisch kurzem grünem rasen 

du brauchst dich nicht mehr anzustrengen
konnt´st du dich in die mitte drängen
wenn draußen kalte winde wehen
die andern schützend um dich stehen 

wohin du siehst auf allen seiten
da ist schon wer sich auszubreiten
nicht neue wege musst du reuen
verlässt du dich aufs wiederkäuen


(Slov ant Gali)

passend dazu:
Mut


von Slov veröffentlicht in: glossiert Community: Gedichte
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Sonntag, 27. april 2008

Es begab sich,

dass Gott, der Schöpfer,

auf die Erde kam,

zu bewundern die Herrlichkeit seiner Werke.

 

Als aber die große Hungersnot

seine Menschen prüfte,

trieben brutale Büttel die Bauern,

die ihre Abgaben nicht zahlten,

wie Vieh vor den Stuhl ihres Herrschers,

der da war auf Erden.

 

Der Herrscher,

sein Gesäß verbreitend über die Fläche des Stuhles,

seinen Mund reinigend vom Fette des gebratenen Vogels,

meinte genüsslich,

dass es den übrigen helfe, ihre Schuld zu begleichen,

wenn man aus ihrer Mitte einen jeden zehnten

– um seinen Kopf verkürzt –

den Palasthunden zum Abendmahle vorwerfe.

 

Also geschah es, dass Gott grübelte.

 

Es vergingen nicht viele Tage,

da wiederholte sich dies,

alldieweil alle Frucht verdorrt und das Vieh am Verhungern war.

Als das gleiche Urteil gesprochen,

erzählte ein weiser Graubart ein Gleichnis

zu besänftigen des Herrschers Hand.

 

Als der Herrscher ihn nicht erhörte,

ließ Gott,

erstaunt über die Klugheit seines Kindes,

den Weisen an des Herrschers Statt

auf dem hohen Stuhle Platz nehmen.

 

Der Weise aber,

so er nun dort saß, verstand,

dass nur Nachbarn sicher beobachten konnten,

wann wer welche seiner unwürdigen, weil unweisen Kinder

mit verborgener Milch fütterte.

So ließ er die ersten dreihundert Nachseher zu Aufsehern erheben,

als dass der Rest zu ihnen in Angst aufsehe.

Also geschah es, dass ein weiteres Zehnt zum Zerbeißen

den Hunden gegeben wurde.

 

Es vergingen nicht viele Tage,

da rief einer,

er werde den, der da Unglück bringe über die Menschen unter seinem Stuhle,

zertrümmern wie das Möbelstück,

denn die Menschen seien alle gleich

dem Schoße einer Mutter entstiegen,

und noch vieles mehr, was er besser machte,

so er denn gesiegt habe über den Tyrannen.

 

Also ließ Gottes Ratschluss

den Rebellen an des Weisen Statt

auf dem Stuhle sich platzieren,

zu bessern die Welt der Menschen.

 

Wie denn das noch nicht überquellende Gesäß

des Aufsässigen das Polster des erhöhenden Stuhles berührte,

ließ es ein Verdikt verkünden, wonach alle Gleichen gleich,

aber die Gleicheren gleicher seien, und ein jeder zehnte Gleiche …

 

Also erkannte es Gott, der Schöpfer,

und er riss den Stuhl dem verwandelten Rebellen weg

unter dem schwellenden Gesäß,

und er floh damit dorthin,

wo er weise blicken wollte auf die Schöpfung,

die ihm endlich vollendet erschiene

und erschöpft setzte er sich

auf den Stuhl…

 


von Slov veröffentlicht in: glossiert Community: Linke Literatur & Toleranz
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Freitag, 11. april 2008

Das Fressen im Napf ist geschmacksverstärkt
mit E fünfhundertnochwas – ich hab ´s nicht gemerkt –
soll angeblich lecker wie Rehkeule sein.
Viel lieber jagt´ ich die Rehe, wär nicht nur zu zwein.

Und kommen mal wirklich ganz leckere Leute,
die von weitem schon riechen wie fette Beute,
dann würgt mich die Kette und das Maul ist verbunden –
und mein Herrchen, Heinz Werner, hat Kumpels gefunden.

von Slov veröffentlicht in: glossiert Community: Linke Literatur & Toleranz
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Dienstag, 19. februar 2008

Solch spröde Worte wie Einkommensteuer,
kann man nur reimen auf Ungeheuer.
Und dies beweist uns ganz enorm:
Der Inhalt fordert seine Form.

Steuererklärungen blieben auch trocken,
versuchte man Pegasus anzudocken.
Deutscher Beamter Paragraphennutzen
würde ihm kräftig die Flügel stutzen,
verpasste dem Vogel der Phantasie
eine Steuernummer der Bürokratie.
Grad wenn sich mir endlose Weiten weiten,
lauern die Rosskur-Profanarbeiten.
Dieses Leben in Zahlen ist so schrecklich teuer
und voll Formulare für ein offenes Feuer…

 

von Slov veröffentlicht in: glossiert Community: Linke Literatur & Toleranz
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Dienstag, 12. februar 2008

Gewissen & Glück

 Was wir seit alten Zeiten wissen
ist, dass ein reinliches Gewissen
das Beste ist als Ruhekissen.
Jedoch sagt uns ein neuer Brauch,
Gewissen ist nur Schall und Rauch –
ein volles Konto tut es auch.

Verleiht man davon nur ein Stück,
bekommt man Zinsen gar zurück.
Alles ist käuflich – auch das Glück.
Doch in dem Kampf, in manchen Runden,
wird es von Heuschrecken gefunden …
dann bleibt´s verschwunden.

Anstatt in Jammern sich zu winden
kann man sich neu politisch binden,
sprich: sein Gewissen wieder finden.
Man hat es lange gut versteckt,
es unbenutzt wie neu entdeckt,

doch welcher Schreck: Es ist verdreckt.


(Slov ant Gali)

von Slov veröffentlicht in: glossiert Community: Linke Literatur & Toleranz
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Lesetipps

Satirisch-Heiteres:
Wolfgang Reuter
"High-matt-Land"
Rolf Stemmle     
"Der Mensch im Tier"

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