geschichte?

Mittwoch, 31. dezember 2008

Es lebte einst ein Kater still

mit seiner Frau beim Bauern Mill.


War müde er, war ihm mal kalt,


macht mauzend er am Hoftor halt,


schon war die Tür ein Spältchen offen –


stets konnte er aufs Kissen hoffen;


am Herd empfing er leckre Bissen,


wenn er hatt´ Ratten jagen müssen.


Doch Katers allergrößtes Glück,


kam er vom Angeltag zurück:

Er fand die Ruhe einfach toll


und manchmal war sein Eimer voll


mit Fischen allerbester Art,


die schmeckten einfach gut und zart.


Doch einmal hätt ihn, ungelogen,


ein Fisch ihn fast ins Meer gezogen,


Der war nun wirklich nicht ganz ohne,


gewaltig war er und mit Krone.


Der sprach zum Kater ziemlich weise:


„Nach einer endlos langen Reise


geschah mir jetzt das Missgeschick,


dass ich am Haken häng´ ein Stück.


Oh, friss mich nicht, denn ich bin zäh.


Mach bitte los mich, tu nicht weh!


Millionen Fischchen ist’s ein Glück,


wirfst du ins Wasser mich zurück.“



Der Kater folgt dem Wunsch genau,


nur leider schildert er’s der Frau.


„Du bist der allerliebste Mann,


den eine Katze finden kann“,


sagt die zuerst und hätt indessen


die ganze Sache bald vergessen.


Brächt´ nicht ein Regen sie in Nöte,


als Bauer Mill war bei ´ner Fete.


Das hat das Katzentier verdrossen,


dass kalte Schauer sie begossen.




Am Herd beim Trocknen schnurrt sie dann,


den Kater übellaunig an:


„Du fingst den König aller Fische,


gebraten läg´ er auf dem Tische.


Doch nachher frierst du ungesund,


lebst schlechter als der dümmste Hund.


Der hat ne Hütte, warm und trocken,


Und immer einen guten Brocken.


Geh hin zu deinem Wundertier


Mit einem Wunsch von dir und mir.


Ein eignes Häuschen für uns zwei,


ihn das zu bitten, steht dir frei.“




Die Aussicht schien dem Kater Recht,


und Widerstand bekäm ihm schlecht.




„Fischekönig im Kanal,


bist so groß als wie ein Wal.


Ein Wünschlein hätt ich, klein und recht.


Erfüll´ es mir, es wär nicht schlecht.“




Mit diesen Worten trat er dann


ans Ufer des Kanals heran.


Der goldne Fisch erschien sofort


und gab dem Katerchen sein Wort:


„Kater du, du tatst mir Gutes.


Sag, was willst du, frohen Mutes!


Was du hast an reinem Willen,


will ich dir gar gern erfüllen.“




Der Kater rennt erfreut das Stück


zum nahen Bauernhof zurück,


wo nun, wie er zufrieden fand,


die allerschönste Hütte stand,


die Hund und Katze je besessen.


Drin saß sein Weib gerad´ beim Fressen.


„Es geht doch“, lobt sie ihren Mann,


und glücklich leben sie sodann.


Allein verschließt der Bauer Mill


sein Haus jetzt öfter, denn er will


nicht Wärme, Futter, Liebe teilen,


solang´ in eignem Heim sie weilen.


Am schlimmsten wurd´ die Laune dann,


als Kater nichts mehr angeln kann.


Drei Tage ging das nun schon so –


Er wird des Lebens nicht mehr froh.




So faucht die Katze ihren Mann


Mit altbekannten Worten an:


„Du fingst den König aller Fische,


gebraten läg´ er auf dem Tische.


Doch nachher frierst du ungesund,


lebst schlechter als der dümmste Hund.


Der hat doch immer seine Knochen.


Warum soll´n wir nicht Fische kochen?


Geh hin zu deinem Wundertier


mit einem Wunsch von dir und mir.


Magst du an tolle Fische denken,


soll er sie deiner Angel schenken.




Die Aussicht schien dem Kater Recht,


und Widerstand bekäm ihm schlecht.


„Fischekönig im Kanal,


bist so groß als wie ein Wal.


Ein Wünschlein hätt ich, klein und recht,


erfüll´ es mir, es wär´ nicht schlecht ...“


Mit diesen Worten trat er an


das Ufer des Kanals heran.




Der goldne Fisch erscheint sofort


Und gab dem Katerchen sein Wort.


„Was du dir wünschst mit reinem Willen,


das werde ich dir gern erfüllen.“




Aal und Hecht, Forellen achte,


woran auch der Kater dachte,


war sofort im Eimer drin –


war denn das des Angelns Sinn?


Aus war’s mit des Herzens Beben,


Neues war nicht zu erleben.


Als erneut man sie vergessen,


jammert er beim Abendessen:


„Könnte man uns nur verstehen,


würd’s uns sicher besser gehen.“


Knurrt die Katze ihren Mann


mit den alten Worten an:


„Fingst den König aller Fische,


gebraten läg´ er auf dem Tische,


doch du frierst hier ungesund,


schlimmer als der dümmste Hund.


Dass Hunde Menschen gut verstehen,


kann man an ihren Taten sehen.


Geh hin zu deinem Wundertier


Mit einem Wunsch von dir und mir.“




So wünscht´ der dumme Katzenmann,


dass er recht menschlich sprechen kann.


„Kater du, du tatst mir Gutes.


Sag, was willst du, frohen Mutes! ...“




Der Kater geht erfreut nach Haus.


„Wie sieht denn heut der Peter aus“,


der Bauer zu dem Haustier spricht.


Der Kater zieht ihm ein Gesicht.




Nichts war der Katze recht und gut,


und sie entwickelt eitlen Mut,


als sie für kurz allein gelassen,


vermag sie es in Wort´ zu fassen:


„Als Millens Kinder, unbenommen,


wär uns nur Liebes vorgekommen.


Lass – außer andren guten Dingen –


vom Fischlein uns die Kindschaft bringen.




„Fischekönig im Kanal,


bist so groß als wie ein Wal, ...“


Mit Scham erzählt er seinen Spruch –


das Wasser schäumt, und ein Geruch


von ganz besonders übler Sorte


begleitet diese Katerworte.


Allein, es taucht der König auf


Und lässt den Dingen ihren Lauf.




„Kater du, du tatst mir Gutes,


sag, was wünschst du, frohen Mutes?


Was du ersehnst mit reinem Willen,


das werde ich dir gern erfüllen.“





So wuchs Familie Mille hier


um Kinder zwei auf Menschen vier.


Allein, nicht lange ist’s gegangen,


da hat das Streiten angefangen.


„Die Bluse ist zwar eine nette,


wär´ super erst mit einer Kette“,


das Mädchen vor dem Spiegel spricht,


„warum bezahlt ihr sie mir nicht?“




„Dazu fehlt ´s uns an Geld und Macht.“


Das Katzengirl die Türe kracht:


„Ich muss bekommen, was ich will,


und wenn ich spreche, dann schweigt still.“


Sie wurd´ ein ausverschämtes Luder,


und keifend packt sie Mann und Bruder:


„Du fingst den König aller Fische,


gebraten läg´ er auf dem Tische,


doch nachher frier´ ich ungesund,


leb schlechter als ein dummer Hund.


Geh hin zu deinem Wundertier


Mit einem Wunsch von dir und mir:




Ich will beherrschen Mensch und Pferde,


am Ende auch die ganze Erde.


Kann ich euch treten wie ein Hund,


wird mir die Seele schnell gesund.“




„Egal wodurch, das darf ´s nicht geben,


sich über andre zu erheben“,


der Menschenkater sprach ´s, doch ach,


zum Widerstand war er zu schwach.




Er zitterte, als ob er fror,


schwarz war das Wasser wie ein Moor ...


„Mein Weib nicht eher mehr will ruh´n,


bis alle Wesen nur noch tun,


was sie geruhte anzuweisen,


und sie als große Herrin preisen.“




„Was du gehabt an reinem Willen,


ich tat es dir gar gern erfüllen.“


Da war das Fischlein schnell verschwunden.


Nicht Mensch, nicht Kater hat’s gefunden.


So dass ich eingestehen muss,


nicht sicher bin ich mir beim Schluss.


Kater, Katz, wie sie einst waren,


lebten wieder wie vor Jahren?


Oder könnt er anders gehen?



Was gewünscht war, ist geschehen?

von Slov
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Donnerstag, 27. november 2008

glück ists
im rechten augenblick zu sterben
nicht anzusehen
wie die erste saat zerstört
zuletzt noch fühlen dürfen
was du kannst vererben
und glauben
wem die welt gehört

die zukunft wird so licht
wenn tiefen durchgestanden
die kraft des ich-magneten siegte scheinbar nicht
du sahst den sog des wir den alle fanden
der prägen würde nächster zeit gesicht
das fundament der hoffnung musste halten
es war so vieles neues zu gestalten
und in des vorwärts träumens augenblick
holt unsre erde dich zu sich zurück

ein wicht wie ich ist nur zurück geblieben
und fragt wie kann ich jene menschen lieben
die der geschichte rad nach rückwärts drehten
die leicht zertraten was die deinen säten

doch hoff ich auf noch unentdeckten sinn
dass ich im heute und am leben bin
und ich erleb an meines weges schluss
dass endlich einmal kommt was kommen muss

von Slov
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Sonntag, 9. november 2008

Manchmal male ich mir aus,
du hättest überlebt und
ich deine Enkelin
auf dem Schulhof getroffen.
Irgendwann wäre sie
zu dir gekommen,
hätte gesagt,
Oma, da guckt ein Junge
immer so komisch zu mir rüber.

Lächelnd hättest du gefragt,
möchtest du das denn nicht?

Und sie,
viel weniger blass als du
in ihrem Alter,
wegen der dauernden Sonne im Gesicht
und auch errötet
hätte kaum hörbar gehaucht

Doch.

Aus deiner Antwort wäre
mein Glück erwachsen


Deine Augen
du weißt wie sehr ich
schwarz funkelnde Augen
liebte
wie haben sie
Jahre später
das Erschrecken
zu verbergen versucht
als du hörtest
deine Urenkelin
solle Sarah heißen

Anstatt zu fragen warum
murmeltest du
ein schöner Name.


Manchmal hasse ich
den Bücherschrank an Stelle
der unbekannten Soldaten die
als ihre Pflicht
dein Leben zerstörten

Mit dem Tagebuch
bleibst du ewig
Mädchen
anstatt mir
deine Enkelin
zur Frau zu geben.



- Nach einem "Friedenstext des Monats" suchen.

- Diesen Text "Anne" als "Friedenstext des Monats" vorschlagen.

von Slov
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Samstag, 18. oktober 2008

An der Eckkneipe

blinzeln müde Nächtige

ins Licht des neuen Morgens.

 

Krähen saufen aus Pfützen,

die vergeblich

den Abend erträumen.

 

Der Regen von gestern

ließ den Gräsern Tropfen,

die zur Sonne dunsten.

 

Schnecken schleppen

ihre Häuser durch Schrittspuren

stampfender Stiefel.

von Slov
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Samstag, 11. oktober 2008
 Weil er

unter der Last seiner Ketten

zusammengebrochen war,

wurde er

auf der Flucht erschossen“.

von Slov
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Donnerstag, 11. september 2008

Was wir hörten:

Schüsse in Santiago, Hubschrauber,

Panzer, Bombardements.

 

Der Verräter großes Aufräumen.

In der Moneda ein Präsident,

Freiheit in zerbrochenen Händen.

 

Auf der Schwarzen Insel

Der alte Dichter allein, inmitten von Versen,

Seesternen und Muscheln.

 

Und einer sang: „El arado“.

Kommt die Taube zurück,

Wird ein neuer Stern geboren.

 

Es sangen wohl auch Vögel.

Frühling in den Straßen. Das war

Im September, am Elften.


Ich schlage diesen Text als Friedenstext des Monats vor.

von Slov
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Donnerstag, 11. september 2008

Verloren ging
mein
elfter September.


Es ist der Tag nicht,
den sie
besetzten!


Niemand wurzelt
aus ihm
seinen Terror.


Mein elfter September
liegt
in älterem Grab.


Meiner
ließ die Gitarre
brechen.


Meiner
ließ die Hände
zerschlagen.


Meiner
ließ Hoffende
erschießen.


Wenn du das unscheinbare Grab findest,
setze darauf
eine Rose.

1 Ein Freund riet mir anzumerken, dass es sich um einen durch die chilenischen Faschisten gequälten und dann ermordeten Volkssänger handelte, weil dies die Jungen heute nicht mehr wüssten. Der 11.9.1973 war der Tag des Putsches gegen die demokratische Regierung Allende…


- Gegen deutsche Kriegsbeteiligungen voten.


- Diesen Text als "Friedenstext des Monats" vorschlagen.

von Slov
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