Ein Mann aus Berlin-Lichtenrade
stand nackt vor dem Spiegel im Bade:
Weil er so viel pafft,
ist alles erschlafft. –
Da hilft nicht mal Viagra. Wie schade!
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Vom Zuhören manch junger Autoren
bluten mir oft meine Ohren,
denn ich werde nie verstehen,
warum sie das Stilmittel Reim ablehnen.
Gerade weil niemand in Reimen spricht,
erhalten Aussagen ein höheres Gewicht
und dringen schneller zu den Menschen vor,
kommen sie per Reim und küssen das Ohr.
Ein guter Reim kann Jahrhunderte überleben:
der Reim erzeugt ein starkes Nachbeben.
Ein freier Vers kann vielleicht einen Abend überstehen,
doch eigentlich wird er gern übersehen.
Denn zu beliebig klingt diese Lyrik,
zu schwach und blutleer die Metaphorik,
selbst klanglich hat sie nicht viel zu bieten –
wer sind ihre Vorbilder, die ihnen dazu rieten?
Zu selten setzen sie beim Zuhörer einen Gedankenkeim,
der tief sich frißt ins Hirn hinein
und beim Verzehr zur Pflanze wird,
die lange durch die Gedanken schwirrt.
Und gerade das, so leid es mir tut,
mißlingt zu oft dieser Autorenbrut.
Irgendwo auf einer Welt
ragt in die Höh' prädominant,
ein Berg mit ewig Schnee bedeckt
und durch und durch aus Diamant.
Jede zwei-drei Tausend Jahre
ein Adler kommt von fern geflogen
ruht auf der Spitze kurz sich aus,
wischt seinen Schnabel an dem Stein,
dann fliegt er weg, vielleicht nach Haus' ...
Wenn nur dadurch der Berg verwetzt,
wird abgetragen, flach, geebnet,
dann verging in all der Zeit
ein augenblick der Ewigkeit.
Was für ein Sieg der Politik! –
Man habe viel Asbest gefunden
im Ost-Palast der Republik
und deshalb sei er nun verschwunden.
Ein Mauer-Rest besteht noch fort,
der stand wohl immer schon daneben.
In Großbuchstaben liest man dort:
„Die DDR hat’s nie gegeben.“
Der das geschrieben hat, gehört
wohl nicht so sehr zu den Gewinnern
der deutschen Einheit, ist empört,
dass nichts an Ossis soll erinnern.
Was ist so schlimm am Rückwärtsblick?
Darf man nicht stolz sein auf sein Leben?
Will wer die DDR zurück? –
Ich nicht! – Und doch hat sie's gegeben!
Wenn ich die Zahlen von Hartz IV,
von Obdachlosigkeit und Armen,
von Suiziden seh, kommt mir
die Wut weit stärker als Erbarmen.
Soldaten hoffen auf das Glück,
Afghanistan zu überleben.
Da denk ich an den Staat zurück,
in dem es das nie hätt' gegeben.
Und denk ich an den Bomben-Krieg,
der auf die Jugoslawen krachte,
an Hetze gegen jenen Sieg,
den Russland den Osseten brachte,
und an Frau Merkels Rumgeklön,
Israel kämpfe um sein Leben,
dann sag ich mir: Es wäre schön,
die BRD hätt's nie gegeben.
Wolfgang Reuter, 07. 01. 2009
Leg’ dich doch dazu!
Warum denn nicht?!
Ein guter Tag zum Sterben (heute).
Sagte der alte Indianer (Little Big Man, musst du einfach gesehen haben).
Und ging und legte sich hin,
Da, unter den Baum, in den great plains, irgendwo.
Es hat dann angefangen zu regnen, ganz schön.
Das Wetter war richtich Scheiße.
Kein guter Tag
Zum Sterben
Mehr.
Ist wieder aufgestanden und gegangen, der alte Indianer.
Ich versteh‘ das.
Und diese halb verfaulten Birkenstämme da,
Die liegen da.
Eigentlich nicht schlecht,
Hier im Wald.
Gut, der Damm da oben, die Straße …
Was soll’s.
Ein schöner Platz
So bei den Birkenstämmen,
Eigentlich.
Du
In der Umarmung
Der späten Stunde, im Blendschein
Des Nachttaus. Wo bin ich
Zu Haus.
Die Zahl Zwei.
Lichtberührung. Kleine Schatten
An der Wand, das Dunkelblau unsrer
Stimmen. Gewöhnlicher
Abend.
Halber Mond über
Den Büchern, zwei Schritt in niemandes
Nirgends. Ob unser Herz ausschlägt,
Ob uns die ewige Zeit anweht:
Immer du.