Rollkragenpulli – im September...
Sonnenbrille – im November..
die Brandblase – von einer Kippe...
die geplatzte Oberlippe...
Dein Halstuch – nein, es kann die Flecken
daumengroß – nicht verdecken.
Dein Make-up – die dicke Schicht
verbirgt grün-gelbe Schatten nicht.
Deine Hand – der Verband...
ach – am Backofen verbrannt....
Dein linker Knöchel – ungeschickt
auf der Treppe umgeknickt...
Die Beule – er kann nichts dafür,
dumm gestoßen an der Tür...
Die and'ren Narben – unsichtbar,
Blicken verborgen – aber da....
Die Risse – tief in deiner Seele...
dicker Kloß in meiner Kehle...
Deine Augen – wirr, gehetzt...
Lass dir helfen – hier und jetzt!
Geh nicht mehr zu ihm zurück!
Ungläubigkeit – in deinem Blick...
Wach endlich auf! - Ich schrei' dich an...
du lächelst: Er ist doch mein Mann...
(Gunda Jaron)
von Slov
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Der hof war ein kleines sehr kleines quadrat in der mitte hielt die erde sich an einer dürren wurzel fest das haus gestützt ein gestopftes gerippe es riss die
tapete wie zwiebelhaut bis tief hinein ins erste jahr
Nebenan eine riesige puppenstube das war der krieg sagte meine das war eine wand einfach abrasiert wie gern hätte ich darin möbel gestellt und in den rosa grün und
blau übereinander gestapelten küchen gespielt
Die kinder aber waren alle noch klein und hatten fadendünnes haar durch ihre träume gingen magere pferde und der vater ging mit dem stiefel durchs bett
aus „Nahe dem wortwendekreis“, Hain-Verlag, Rudolstadt, 1997
Bärbel Klässner ist
mit "Der zugang ist gelegt" auf Lesereise - am Am 20. Juni, 20.00 Uhr im Cafe Viridis, Berlin,
Blücherstr.59.
von Slov
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ich wandere von einer kulturhauptstadt
in die nächste
Also:
Wenn schon denn
grüßt weimar die
ruhrstadt durch
mich
schau hin
der weberplatz blüht
mandelfarben
das wetter gewinnt
an fahrt bald werden die spitzen
der statistik gebrochen
das gemeinwohl an
die wände gekalkt
es geht um die wurst
an der armentafel
gebeutelte beutetiere
am arm die alditüte
der weberplatz blüht
Hoch die kassen hoch die
kultur hoch die konjunktur
kopf hoch hintern
Europa!
Bärbel Klässner in Berlin
, mit "Der zugang ist gelegt" auf Lesereise - am Am 20. Juni, 20.00 Uhr im Cafe Viridis, Berlin,
Blücherstr.59.
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Müde vom quadratlauf der betonameisen die wie riesen übern weggezoomtem stadtplan reisen müde vom gekittelten krittelton eines schulvorstehers aus der second hand
station müde müde von den herzprothesen die mechanisch pochen und metallisch reiben mich seit wochen zum verwesen oder kurz vors koma treiben müde von all dem blickfang und kickzwang und dem
anblick von frischwaren in taftröckchen mit den schnäppchenlöckchen und den hackfleischbröckchen die in saft garen müde vom ausrasten wie mein briefkasten mit seiner gähnenden leere gott verhehre
zu müde das verhauene bild zu korrigieren metaphern zu raffen zu müde zu studieren zu müde zu erschlaffen trübe gemüdete öde bah und ohne spaßpotenz und ohne textstringenz und zu müde einen bruch
zu brechen in eine zeile die in eile fortgelaufen zum besaufen auch zu müde und zu müde deine frage zu erfassen werd es lassen bin ein deckel ohne topf und von kopf bis fuß müde bis zum
ladenschluss schade um den faden fluss meiner worte müde müde weder noch und nicht munter müde nur zum hoch und runter laden textgeschützter schreibblockaden müde zu müde zum kopfgebären
wahrheitskeltern wortvergären kannst dir all dein sinnfinden unters kinn binden ich bin zu müde mich an keimenden reimen zu schinden
Bärbel Klässner kommt nach
Berlin. Man kann sich Termin vormerken: Am 20. Juni, Cafe Viridis, Blücherstr.59, 20.00 Uhr, stellt sie ihr neues Buch "Der zugang ist gelegt" vor ...
Bärbel Klässner seit 2004 wohnhaft in in Essen, Stipendien vom Thüringer Ministerium für WFK; von der Stiftung
Kulturfonds Berlin, vom Deutschen Literaturfonds für das Textwerk-Lyrikseminar im Literaturhaus München
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engelsgleich
brachtest du
längst verstummt geglaubte Saiten
in mir zum Schwingen
fasziniert
lausche ich
verwirrend ungewohnten Klängen
in meiner Seele
träumend
schließe ich
die Augen – vage hoffend
auf eine lebenslange Melodie
aber
Engel
können fliegen....
(Gunda Jaron)
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Abgelegt hat das Schiff,
löst sich schweigend
aus der Bucht,
schwebt langsam davon.
Du lässt es ziehen
noch lange siehst du es
am Horizont sich entfernen.
Unter seinem Kiel quirlt
eine weiße Schaumspur hervor -
bis darüber die Wellen
sich schließen.
Sigrid Fuchs-Mattmüller
von Slov
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Nicht mehr rufen! Leise, leise...
Stört mich nicht auf meiner Reise
in die Nacht!
Nicht mehr halten! Lasst mich ziehen!
Spüre meinen Geist entfliehen
sacht, ganz sacht.
Nein, ihr könnt mich nicht begleiten,
wenn in längst vergang'ne Zeiten
heim ich kehr'.
Nicht mehr weinen! Nicht mehr trauern!
Ich durchbrech' des Geistes Mauern
nimmermehr.
Nicht mehr rufen! Leise, leise....
Stört mich nicht...
(Gunda Jaron)
von Slov
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