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Montag, 23. juni 2008

Rollkragenpulli – im September...
Sonnenbrille – im November..

die Brandblase – von einer Kippe...
die geplatzte Oberlippe...

Dein Halstuch – nein, es kann die Flecken
daumengroß – nicht verdecken.

Dein Make-up – die dicke Schicht
verbirgt grün-gelbe Schatten nicht.

Deine Hand – der Verband...
ach – am Backofen verbrannt....

Dein linker Knöchel – ungeschickt
auf der Treppe umgeknickt...

Die Beule – er kann nichts dafür,
dumm gestoßen an der Tür...

Die and'ren Narben – unsichtbar,
Blicken verborgen – aber da....

Die Risse – tief in deiner Seele...
dicker Kloß in meiner Kehle...

Deine Augen – wirr, gehetzt...
Lass dir helfen – hier und jetzt!

Geh nicht mehr zu ihm zurück!
Ungläubigkeit – in deinem Blick...

Wach endlich auf! - Ich schrei' dich an...
du lächelst: Er ist doch mein Mann...

(Gunda Jaron)

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Mittwoch, 18. juni 2008

Der hof war ein kleines sehr kleines quadrat in der mitte hielt die erde sich an einer dürren wurzel fest das haus gestützt ein gestopftes gerippe es riss die tapete wie zwiebelhaut bis tief hinein ins erste jahr

Nebenan eine riesige puppenstube das war der krieg sagte meine das war eine wand einfach abrasiert wie gern hätte ich darin möbel gestellt und in den rosa grün und blau übereinander gestapelten küchen gespielt

Die kinder aber waren alle noch klein und hatten fadendünnes haar durch ihre träume gingen magere pferde und der vater ging mit dem stiefel durchs bett

aus „Nahe dem wortwendekreis“, Hain-Verlag, Rudolstadt, 1997


Bärbel Klässner   ist mit "Der zugang ist gelegt" auf Lesereise - am  Am 20. Juni, 20.00 Uhr im Cafe Viridis, Berlin, Blücherstr.59.


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Sonntag, 8. juni 2008

ich wandere von einer kulturhauptstadt
in die nächste

Also:

Wenn schon denn
grüßt weimar die
ruhrstadt durch
mich

schau hin
der weberplatz blüht
mandelfarben
das wetter gewinnt
an fahrt bald werden die spitzen
der statistik gebrochen
das gemeinwohl an
die wände gekalkt

es geht um die wurst
an der armentafel
gebeutelte beutetiere
am arm die alditüte
der weberplatz blüht

Hoch die kassen hoch die
kultur hoch die konjunktur
kopf hoch hintern

Europa!

Bärbel Klässner in Berlin ,  mit "Der zugang ist gelegt" auf Lesereise - am  Am 20. Juni, 20.00 Uhr im Cafe Viridis, Berlin, Blücherstr.59.

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Freitag, 6. juni 2008
Müde vom quadratlauf der betonameisen die wie riesen übern weggezoomtem stadtplan reisen müde vom gekittelten krittelton eines schulvorstehers aus der second hand station müde müde von den herzprothesen die mechanisch pochen und metallisch reiben mich seit wochen zum verwesen oder kurz vors koma treiben müde von all dem blickfang und kickzwang und dem anblick von frischwaren in taftröckchen mit den schnäppchenlöckchen und den hackfleischbröckchen die in saft garen müde vom ausrasten wie mein briefkasten mit seiner gähnenden leere gott verhehre zu müde das verhauene bild zu korrigieren metaphern zu raffen zu müde zu studieren zu müde zu erschlaffen trübe gemüdete öde bah und ohne spaßpotenz und ohne textstringenz und zu müde einen bruch zu brechen in eine zeile die in eile fortgelaufen zum besaufen auch zu müde und zu müde deine frage zu erfassen werd es lassen bin ein deckel ohne topf und von kopf bis fuß müde bis zum ladenschluss schade um den faden fluss meiner worte müde müde weder noch und nicht munter müde nur zum hoch und runter laden textgeschützter schreibblockaden müde zu müde zum kopfgebären wahrheitskeltern wortvergären kannst dir all dein sinnfinden unters kinn binden ich bin zu müde mich an keimenden reimen zu schinden


Bärbel Klässner   kommt nach Berlin.  Man kann sich Termin vormerken:  Am 20. Juni, Cafe Viridis, Blücherstr.59, 20.00 Uhr, stellt sie ihr neues Buch "Der zugang ist gelegt" vor ...

Bärbel Klässner seit 2004 wohnhaft in in Essen, Stipendien vom Thüringer Ministerium für WFK; von der Stiftung Kulturfonds Berlin, vom Deutschen Literaturfonds für das Textwerk-Lyrikseminar im Literaturhaus München


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Montag, 2. juni 2008

engelsgleich

brachtest du

längst verstummt geglaubte Saiten

in mir zum Schwingen

 

fasziniert

lausche ich

verwirrend ungewohnten Klängen

in meiner Seele

 

träumend

schließe ich

die Augen – vage hoffend

auf eine lebenslange Melodie

 

aber

Engel

können fliegen....

 

(Gunda Jaron)

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Montag, 2. juni 2008

Abgelegt hat das Schiff,

löst sich schweigend

aus der Bucht,

schwebt langsam davon.

Du lässt es ziehen

noch lange siehst du es

am Horizont sich entfernen.

Unter seinem Kiel quirlt

eine weiße Schaumspur hervor -

bis darüber die Wellen

sich schließen.

 

Sigrid Fuchs-Mattmüller

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Samstag, 24. mai 2008

Nicht mehr rufen! Leise, leise...

Stört mich nicht auf meiner Reise

in die Nacht!

 

Nicht mehr halten! Lasst mich ziehen!

Spüre meinen Geist entfliehen

sacht, ganz sacht.

 

Nein, ihr könnt mich nicht begleiten,

wenn in längst vergang'ne Zeiten

heim ich kehr'.

 

Nicht mehr weinen! Nicht mehr trauern!

Ich durchbrech' des Geistes Mauern

nimmermehr.

 

Nicht mehr rufen! Leise, leise....

Stört mich nicht...


 

(Gunda Jaron)

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