Mittwoch, 4. februar 2009
Aus dem Schatten
Trat das Angesicht der Stadt. Abduft von
Staub, Gasen, selten gelüfteter
Seelen fiel über sie her. Lampen
Verglosten.
Niemand
Sah die südlichen Inseln. Alles drängte
In die U-Bahnschächte. Durchs
Tor der Gleichen hinkte, unbeachtet,
Ein zyklopischer Zerberus.
Die Bahn kam. Zwischen
Den Gleisen ein Blitzen, kränkliches Leuchten.
Sie hieltens für das Wort
Eines Halbgotts. Träumer, wund, stürzten
Auf die Knie.
Aus Allerweltswinkeln
Der Mai. Flieder, woher dein Violett?
Schwalben auf dem Weg.
Und der Ahorn steht im Grün.
In der Wölbung des Himmels
Licht. Menschen mit
Blumen am Hut. Geborgte Träume
Bis unter die Stirn. Jemand wirft
In die Gosse
Ein Liebesgelüst.
Aber der Ahorn,
Stände er längst nicht
Im Grün.
Bergahorn,
Weitarmig, hochgipfelnd.
Zauber des fünffingrigen Blatts,
Kühle der Säfte, honiggeboren.
Neu der gewöhnliche Tag.
Durch die Zweige
Ein Wind, der Streifen Licht fällt
Auf mich, ich fang ihn auf
Mit den Augen. Flieg,
In den Fliederbusch flieg.
Himmel,
Ein Lichtfang, grün. Es neigt
Das Gras sich ins Ufer. Und drüber
Der Schatten des Baums. Ich taumle,
Schwebe, ganz Wolke.
Traum,
Aus Schemen Gegenwart,
Schlafgeboren.
Segellos
Treib ich im Strom des
Erinnerns. Das alte Haus, verratene Plätze,
Stimmen verletzter Bäume -
In mir tönen sie. Die blaue Taube,
Die mir Sand aus den Händen frisst.
Fliederjahre.
Der Himmel zieht, Rauch
In den Gärten. Der ölschwarze Fluss,
Zerbombte Lastkähne. Die Brücke
Ins Nirgendland. Gesichter, erstorben.
Die Handvoll Holunder.
Sommer, von Sternbildern erleuchtet.
Dämmernde Sonnen, gelbe
Lebendige Monde.
Ich liege,
Erzittre, flüchte,
Lausche Bildern nach.
Weit
Der undeutbare Blick
Ins wunde, zerrissne Antlitz
Der Erde.
Sand,
Vielfarbige Dünen,
Das Restschwarz der Kohle,
Nachmittag und die Sonne
Hinter der Welt. Ich sah das Schaufelmaul
Eines Riesentiers, scheppernd
Noch aus der Ferne.
Angehaltenen Atems
Griff ich der toten Erde ins Sandherz.
Mir durch die Finger rieselte Stille.
Diese erstickte Stille.
Brennende Helle
Des Morgens. Erwacht
Die Tauben der Stadt. Lautlos,
Melancholische Flieger,
Berühren sie
Himmel und Erde.
Düfte vom Frühling.
Winde treiben
Durch die Straßen
Vergrabne, verschüttete
Menschenträume.
Brennende Helle
Des Morgens. Erwacht
Die Tauben der Stadt. Lautlos,
Melancholische Flieger,
Berühren sie
Himmel und Erde.
Düfte vom Frühling.
Winde treiben
Durch die Straßen
Vergrabne, verschüttete
Menschenträume.