Lieder

Dienstag, 5. februar 2008 2 05 02 2008 08:08

Lied vom schwarzen Schaf

 
Wir sind in unsre Zeit als Schaf hineingeboren
in eine Herde lammig blökend lieb.
Der Hunde Bellen klingt vertraut in unsren Ohren.
Und richtig scheint, wie uns der Schäfer trieb.
Es ist ein schwarzes Schaf, das dagegen spricht:
Oder nicht?


Wir sind so dankbar glücklich für die grünen Wiesen,
die wir bekauen, bis kein Halm mehr steht;
wir sind gehorsam, wenn die Hörner bliesen,
dass es für uns nun abwärts geht.
Es ist ein schwarzes Schaf das dagegen spricht:
Oder nicht?


 Ein Schaf, das denkt an keine Widerrede,
ob es gerechterweis´ geschoren wird,
es findet kluge Schafe ziemlich blede,
womit, aus Schäfers Sicht, es auch nicht irrt.
Es ist ein schwarzes Schaf das dagegen spricht:
Oder nicht?
 
Doch sei es, dass wir Menschen wären,
dass wir uns trotzdem schafisch gar nicht wehren,
dass unser Denken frisst ein geldner Bammel
und wir uns geben wie ne Herde Hammel?
Da fehlt das schwarze Schaf, das dagegen spricht:
Oder nicht?

(gesungene Version) 



Slov ant Gali

Aufgeschlagenes

 

Und wenn ich ein schönes Gesicht gesehen

und wenn ich ein hässlich´ Gesicht gesehen

und ein Gesicht im Vorübergehen

so schnell vergaß

dann waren dies

Verse mit dauerndem Glanz

für meinen privaten Sonettenkranz

Der Achtlosigkeit geh ich

so leicht auf den Leim

und ich weine

um den verlorenen Reim.



Slov ant Gali

Hochzeitstag

 

Wenn noch Traum in uns keimt,

sich auf Lust alles reimt,

wenn wir alles uns geben

fürs gemeinsame Leben,

steht ein kleines Gedicht

dir und mir im Gesicht,

nur wir merken es nicht.

 

Wenn die Liebe ergraut,

aller Sekt ist verdaut,

wenn die peinlichen Possen

von den Nachbarn genossen,

hat das Scherbengericht

Kilotonnen Gewicht,

und wir dichten uns nicht.

 

Ist dann alles vorbei

und wir glauben uns frei

sind uns so einerlei,

war ein furchiges Feld

doch gemeinsam bestellt.


Slov ant Gali

Neoklassisches Wort Nummer 1



Es ist die Weisheit nicht,

das Heute nur zu sehen.

Wer schier am Tag zerbricht,

will nicht in neue gehen.



Es macht die Welt nicht gut,

die Welt nach Tags1 zu gliedern.

Es raubt uns nur den Mut,

den Klang zu sehn in Liedern.



Mensch, mach dich auf den Weg

wir runden uns als Kiste,

Dahin führt uns kein Steg,

als ob ich das nicht wüsste.



Doch nur im Tätigsein

stellt sich ein Fortschritt ein.

1Hier [tæg], aus dem Englischen für Etikett, Anhänger, Aufkleber, Marke, Auszeichner – Mittel (Schlagwort) zur erleichterten Auffindung eines Textes




Slov ant Gali

Bevor die Klatsche trifft

 

Mir scheint´s, dass ich ne Fliege bin,


wenn ich mein Leben seh.


Wie wild flieg ich zum Freien hin,


wo ich die Welt versteh.




Ich acht´ nicht auf das Fensterglas,


das mich im Zimmer hält.


Vielleicht verzicht´ ich so auf Spaß


in dieser sichren Welt.




Wo treiben mich die Flügel hin -


ich hätt´ es hier doch warm,


wenn ich auch nicht d e r Brummer bin,


so bin ich doch nicht arm.




Mir scheint´s, dass ich ne Fliege bin,


ich weigre mich zu ruhn.


In Freiheit fliegen ist mein Sinn.


Nichts Andres kann ich tun. 






 

 


  



 

   

 

 

 

 

 

 

 











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von Slov - veröffentlicht in: Lieder - Community: Linke Literatur & Toleranz
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