jeden Tag neue Gedichte - von Slov ant Gali und Gästen
Durch Slov
Ich geh ganz neu in diese Welt,
denk nicht an Gut und nicht ans Geld.
Ich sage kaum noch guten Tag,
weil das wer observieren mag.
Hab ich mit einem Fall Kontakt,
werd ich der Akte zugepackt,
werde verwanzt, gefilmt (versteckt),
vom BKA im Schlaf geweckt.
Ein erstes Tatverdachtsmoment:
Kein GPS mich peilend kennt.
Ich treib die Kunst der Wandelworte -
Das bringt mich in verschlossne Orte.
Wenn ich ein Schnüffelwort verwende,
ist klar, dass ich in U-Haft ende,
ist aber kein solch Wort dabei,
konspirativ … ein faules Ei!
Laut hab ich lauschend aufgelacht,
war sehr erregt und aufgebracht.
Zum Schluss ist mein Ticket abhanden gekommen,
ich fürchte, vom Schweiß werden Proben genommen.
Oh, glaubte ich wirklich, das wäre vorbei?
Hier schützt vor dem Recht die Polizei.
Hier fürchtet schon mancher, ehrlich befragt,
dass er seine Meinung öffentlich sagt.
Bisher ist, wer zu Schnüffeln je angefangen,
deswegen und trotzdem untergegangen.
Das hat mir in weihnachtlicher Nacht
am Ende ein wenig Hoffnung gemacht.
PS: Es ist mir schwer gefallen, die geradezu unglaublichen Horrorstorys, die die Betroffenen während der Veranstaltung am Sonntag, dem 16.12.07, in der Volksbühne als ihre Erlebnisse geschildert haben, in Reimform zu bringen. Gerade dass, was sie – ihre Unschuld bekundend – zum Inhalt der über sie angelegten Akten berichteten, war eine durch Kunst nicht überbietbare Realsatire… wenn es nicht dieses heutige Deutschland wäre, in dem so etwas möglich ist.
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