jeden Tag neue Gedichte - von Slov ant Gali und Gästen
Durch Slov
Siegfried Modrach:
Da ist es wieder
dieses unbeschreibliche
Begehren.
Wie überströmt es mich
wie stürzt es
auf mich
ein!
Ich fliehe
jedes andern Nähe
und schrei mir lautlos
alle Sehnsucht
aus dem Leib.
Leer
setze ich
das Tagsgesicht
mir wieder auf
und kehr zurück
in die Untröstlichkeit.
Slov ant Gali
die überweisung mit stempel
kann ich nicht lesen
beim wegrennen
bräche mir
verstand und
arm und
bein
ich lasse mein handy
um hilfe klingeln
ringsum antworten
defekte herzschrittmacher
die nachtschwester ersetzt
lungenflügel
durch frisch entfernte
blinddärme
der chefarzt spritzt
in die praktikantin
auf einer bahre
ich werde
weitergeschoben
mir
soll
die zukunft gehören
(Zu Neujahr ausnahmsweise etwas „Altes“: Erschienen in „Gedichte – best german underground 2006“, acheron verlag 2007 als Wettbewerbsanthologie zum Thema des Jahres „Dritte Wahl“.)
2007 nahm Siegried Modrach am Wettbewerb des Kulturrings in Berlin e. V. zur „Friedenslesung“ teil. Unter 1320 Beiträgen wurde das folgende Gedicht von der zehnköpfigen Jury für das Lesungsprogramm am 1.September 2007 ausgewählt:
Sei froh, dass du den Strohtod hingestorben bist,
und deine Hände nicht vom Blut des „Feindes“ kleben
und keine Kugel bis zu dir geflogen ist,
die vor der Zeit zerriß dein schönes Leben.
Sei froh, dass du Manöverheld geblieben bist,
ob auch die andren deinesgleichen dies noch schaffen,
bleibt allerdings wohl fraglich, weil zu fürchten ist,
es sprechen bald mal wieder deutsche Waffen.
Und wenn die Waffen sprechen, wie du wissen wirst,
dann fliegen nicht allein beim „bösen Feind“ die Fetzen,
drum danke Gott, wenn du ihm oben rapportierst,
dass er dich sterben ließ vor Kampfeinsätzen.
Siegfried Modrach ist langjähriges Mitglied des Friedrichshainer Autorenkreises (FAK):
Eclipse Next 2019 - Gehosted von Overblog