jeden Tag neue Gedichte - von Slov ant Gali und Gästen
Durch Slov
April 1903
Gerüchtige Worte flüchten
von Mund zu Mund
und durch uns hindurch
mit dem Ostwind
in den Abendwolken.
Der volle Mond flüstert
mir Esters Liebe vom März
und unsere Mühlen malen
das schlesische Korn gut
gegen Progrom und Kreuz.
Israel höre ich manchmal
im Schreien der Esel
und Maultiere beim Beladen
für den schwarzen Adler
Preußens an der Oder.
In der Ferne das Eine
so unverständlich nah
und das Andere weit
ohne Davids Stern
am Morgen-Himmel.
Moitl, solle mi gehn?
M. S. Chazara, Givataim (Israel), 56 Jahre
Bei dem Autor fiel der Jury die Entscheidung besonders schwer. Eingereicht war ein Zyklus von zehn Gedichten, der die Situation einer jüdischen Gemeinschaft im 20. Jahrhundert blitzlichthaft über jeweils ein Monatsgedicht zum April des dritten Jahres jeden Dezenniums erhellen sollte. Letztlich entschieden wir zuerst, dass eigentlich erst der Zyklus als Ganzes wirkte … und dann, dass der Zyklus zu lang würde innerhalb des Programms. Trotzdem entschieden wir uns für einige Beispiele, die wir in die Anthologie aufgenommen haben.
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