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jeden Tag neue Gedichte - von Slov ant Gali und Gästen

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einmal kein gedicht sondern Peter Hacks 1990 in »Die Schwärze der Welt im Eingang des Tunnels« über lichtlose Zeiten


Das Kunstprinzip

Die abendländische Menschheit beging ihre Tausendjahrfeier, indem sie sich mit dem Weltende beschäftigte; das Jahr 2000 feiert sie in der gleichen Laune des Mißvergnügens. Der Klosterprophet Adso und der Fernsehprophet G. Kunert, beide haben keinen anderen Gesprächsstoff als die Hölle. Ob wir die millenarischen Zeitpunkte als Zufälle oder als Auswirkungen des Zahlenaberglaubens erklären, mit Sicherheit ist das Weltende für die Menschen ein wiederkehrender, fast ein Normalzustand. Von der Welt wird immer wieder einmal angenommen, sie gelange zum Schluß.

Ein Blick in die Geschichte zeigt, daß sie es nicht tut; ... Es gibt keine abschließende Lage. Es gibt keine Klemme, aus der die Leute nicht wieder herauskämen, meist beschadet, aber eben nie ausgetilgt. Es gibt kein noch so elendes Jetzt ohne Zukunft. Alles geht weiter und, wie bestimmte Überlegungen und die Erfahrung lehren, auf lange Sicht höher. Wenn man nicht mit Sprengstoff, Gift oder Pilzen der menschlichen Rasse den Garaus macht, wird sie sich fort-, und sie wird sich hinaufbequemen.

Es soll aber hier keine Erörterung der Gesetzlichkeit des Fortschritts angefangen werden. Mit dem Fortschritt kann es jeder halten, wie er will, ausgenommen die Künstler. Das Prinzip Hoffnung mag ein Weltprinzip sein oder auch keines; jedenfalls ist es ein Kunstprinzip. Hoffnung ist eine Gattungseigenschaft der Kunst. Indem einer Kunst macht, verrät er, daß er mit dem Weltende nicht rechnet. Er gibt sich nicht die ganze Mühe, um einen befristeten Stoff für einen befristeten Verbraucher herzurichten. Würde er mit dem Weltende fest rechnen, würde er die Sache lassen.

Wie unerfreulich die Rechnungen insgesamt seien, die der Künstler der Menschheit aufzumachen genötigt ist: Daß die Menschheit abstirbt, kann für die Kunst immer nur ein Zwischenergebnis sein.

Das alles ist klar, und in all dem wäre keine Schwierigkeit, wenn nicht Folgendes wäre: Ein Zustand der Verschlechterung, der keinen Umschlag zum Bessern zu enthalten scheint, kommt, was seinen niederschlagenden Einfluß auf die Künstler betrifft, einem Weltende gleich. Sei die düstere Zukunft kurz oder lang –sofern sich eine schließliche Aufhellung weder absehen noch ausdenken läßt, ist sie zu lang für die Kunst. (...)

Die Abhandlung »Die Schwärze der Welt im Eingang des Tunnels« wurde vorgenommen und bedacht in den Jahren nach 1980. Wir schreiben aber, während ich das schreibe, 1990. Die siebziger und achtziger Jahre waren voller Anlässe für derlei trübe Betrachtungen und schattenfarbe Gedanken, und die Frage, wie bei Lichtlosigkeit Kunst herzustellen, ist ganz aus dem Geist jener zurückliegenden Epoche. ...
Den Nordamerikanern gehört der Persische Meerbusen, auf einen räFoto: Überreste des Golfkrieges 1991 
Jetzt, wo alles zum Schlechtesten geraten ist, stellen sich die Fragen neu. Manche stellen sich gar nicht mehr, etwa die nach einer ständig sich verschlechternden Zukunft. Den Nordamerikanern gehört der Persische Meerbusen, auf einen räudigeren Hund kann die Welt nicht kommen. Sehen Sie, wenn man einmal unten ist, ist man durch.

Der Standort des vollständigen Elends ist freilich für den Künstler weniger beschwerlich einzunehmen als für die übrigen Elenden. Er allein hat was davon. Bis dahin ging, was der Künstler tat oder zu tun versuchte, gegen seine Absicht und übel aus. Fortan kann er fast nichts anfangen, das nicht eine Besserung bewirkte, im Leben oder doch in der Kunst. (Wenn die Kunst demnächst Fehler machen wird, werden es keine Niedergangs-Fehler sein. Zu warnen ist eher vor der Sorte Fehler, welche die Aufstiegs-Kunst macht.)

Zum guten und unverhofften Schluß also: Das von vielen erwartete und von allen gespürte Weltende hat stattgefunden – und war wieder einmal nicht das Weltende und war wieder einmal bloß das Ende der Zivilisation. Vorher sieht eben alles schlimmer aus.

Die Aussichten im Tunnel, in dessen langer Einfahrt wir so lange verweilten, haben aufgehört, durchaus finster zu sein. In der Mitte des Tunnels wird das Ende zum Anfang. Das bißchen Helligkeit, das wir als einen schwachen, schwindenden Schimmer allenfalls von hinten her abbekamen, fällt nun von vorne ein, und nimmt zu, und wir reisen ihr entgegen. Das Gesichtsfeld klärt sich mehr und mehr auf; die im Tunnel-Ausgang stehen dann bereits im Licht.


Auszug aus: Peter Hacks: Die Schwärze der Welt im Eingang des Tunnels. konkret, 1/1991. Zitiert nach: Peter Hacks, Werke Dreizehnter Band, Eulenspiegel Verlag, Berlin 2003, Seite 477–501
gefunden in "junge Welt" vom 22.03.2008 / Wochenendbeilage / Seite 3 (Beilage)

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S
Schön, Night, dich wieder an Bord zu haben.<br /> Ich hatte schon Angst, du wärest unter die Bellizisten gegangen...
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S
Hohe Besucherzahlen?!<br /> Die wünsche ich mir, ja. Und aufzuklären wünschte ich mir auch.<br /> Aber die Größe eines Peter Hacks fehlt mir halt...
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N
Hallo Slov,<br /> gut, dass du jetzt auch endlich mal Fließtext schreibst bzw. veröffentlichst, der nicht gedichtet ist. Deine hohen Besudcherzahlen kannst du nutzen um aufzuklären, um Missstände anzuprangern oder andere Ungereimtheiten zu veröffentlichen.<br /> <br /> Viele Freundliche Grüße<br /> <br /> Nightfalcon
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