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jeden Tag neue Gedichte - von Slov ant Gali und Gästen

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Scheibe

Auch das Schmücken ist – letztlich ein Element angewandter Sexualkommunikation – menschliche Variante tierischen Verhaltens. Ein Bedürfnis, für das die Angemessenheit am schwersten zu bestimmen ist.

Die menschliche Version der allgemeinen Neugierde ist der Drang nach Erkenntnis.


Von Sachzwängen befreit

Wer träumt hat immer das Problem, irgendwann wieder aufwachen zu müssen. Vielleicht ist das der Grund, politische Träume gar nicht erst durchträumen zu wollen. Wer mag schon gerne mit Eiswasser übergossen werden, dass ihm jemand sagt, das mag zwar alles schön und gut sein, aber das geht einfach nicht. Wir würden ja vielleicht auch wollen, aber die Sachzwänge … die lassen das einfach nicht zu.

Nun gibt es mehrere Möglichkeiten. Eine wäre, die das sagen sind auf irgendeine Weise korrumpiert und wollen gar nichts Anderes als das, was wir so an Lebenswelt haben. Eine zweite, wir haben die Mühen, nach besseren Zielen zu suchen, einfach aufgegeben. Eine dritte, wir haben dank schlechter Erfahrungen die Meinung gewonnen, es gäbe keine bessere Organisation der Welt wie die heutige. Und schließlich die vierte, wir finden uns ab.

Ich finde mich nicht ab. Ich bewahre das Gefühl, Tag für Tag in einem bösen Traum herumzulaufen. Das hat für mich einen Vorteil: Ich gönne mir die Hoffnung, in der nächsten Stunde, morgen, im nächsten Jahr, überhaupt einmal aufzuwachen.

Ich drehe die Wirklichkeit einfach um. So wie es ist darf es einfach nicht sein. So haben schon vor Hunderten von Jahren Menschen ihrer Phantasie und ihrem Gerechtigkeitsgefühl freien Lauf gelassen. Sie sind dabei zum Beispiel mit dem Sachzwang zusammengestoßen, daß der Ritter eben Ritter bleiben wollte – er hätte sich sonst ja mit seinen verwöhnten Gliedern bucklig arbeiten müssen.

Dann kam der große Kopf, der dem ganzen verträumten Ding den Rang einer Wissenschaft einräumen wollte. Marx begründete mit dem Entwicklungsstand der Produktivkräfte, warum in den vorhergehenden Zeiten und Kämpfen die Schaffung des Kommunismus ein Traum bleiben mußte. Da sich niemand mit einer Zeitreise in die eigene qualvolle Vergangenheit hätte abplagen wollen, konnte er hier „Sachzwänge“ heranziehen. Da es die seiner Darstellung nach nun nicht mehr gab, konnte nun das größte Werk der Menschheitsgeschichte endlich erfolgreich sein. Es sei ja nun die Klasse da, die für alle Menschen gemeinsam diese Aufgabe meistern könne, da sie die dafür nötige Stellung in der Gesellschaft besitze.

Warum die folgenden Versuche scheiterten, lag an einer Reihe von Gründen. Eventuell ist müßig, darüber zu spekulieren, welches der entscheidende war. Das ist wie bei einer Multiplikationsaufgabe, bei der genügt, wenn ein Faktor Null ist, damit das Produkt Null wird. Aber natürlich können auch andere Faktoren Null gewesen sein – welche Null war dann die wichtigste?

Eine der Nullen war vielleicht die Frage des Ziels. Marx wehrte sich dagegen, darüber zu spekulieren, wie denn eine zukünftige Gesellschaft im einzelnen hätte aussehen können. So schien nach ihm das Auf das große Ziel hin Träumen suspekt zu sein. Der große Bärtige hat das auf höchster theoretischer Ebene zusammengefaßt, doch ihm fehlte mindestens ein praktisches kleines Steinchen, das wir heute erst kennen.

Einer der wichtigsten Bausteine, die die nachfolgende Gesellschaft dem Kapitalismus überlegen machen sollte, war die Planwirtschaft. Wenig hat den sogenannten real nicht mehr existierenden Sozialismus derart fragwürdig gemacht wie eben dessen Systeme der Planung und Leitung. Denn hier war Marx auf einem Auge notwendig blind, das er durch ein Hühnerauge ersetzte: Natürlich muß man objektiv zur Planwirtschaft in der Lage sein, das heißt, man kann nur planen, was man beeinflussen kann, sprich, was einem gehört. Man muß aber auch das geeignete technische Mittel dafür haben. Zu Marxens Zeiten war da Leere. Es mußte durch ein vages „Man wird es tun“ ersetzt werden. Die armen Planer in den Möchtegern-Sozialismus-Staaten hatten aber nichts außer der Vorstellung, es muß geplant werden. Das führte zu starrer Bürokratie, die genau das, was sie erreichen sollte, zu ihrer eigenen Karikatur verkommen ließ: Da diese Pläne Details festschrieben, die sich aus unterschiedlichen Gründen veränderten und verändern mußten, wurden sie nach der chaostheoretischen Anlage einer Wirtschaft an allen anderen Stellen zum Hindernis für vernünftiges Handeln – was sie eigentlich erst begründen sollten.

Was aber ist, wenn eine notwendige Voraussetzung für den künftigen „Kommunismus“ auf dem Gebiet der Entwicklung der Produktivkräfte erst erreicht werden mußte? Wenn das die technische Möglichkeit der totalen Vernetzung aller erforderlichen Daten wäre? Man stelle sich vor, heute oder in wenigen Jahren stände irgendwo ein riesiges mit aller Welt vernetztes Zentralcomputersystem. Es könnte auf jeden Fall schneller und genauer alle eingehenden Daten optimieren. Ethische und soziale Komponenten können von einer Steuereinheit korrigiert werden. Man bedenke, daß die Anlagen dafür heutzutage mindestens denkbar, wenn nicht schon ausreichend ausgereift vorhanden sind.

Da sie aber in eine Gesellschaft fallen, in der auf allen Ebenen offener oder wenigstens unterschwelliger Krieg herrscht, erscheint dies als Horrorvision. Die Technik bietet Möglichkeiten, die die gesellschaftliche Wirklichkeit verbietet. Also bleibt mir nur übrig, die jetzige gesellschaftliche Wirklichkeit total auszublenden.

 

 

 

Ich bin ein Mensch, der Bedürfnisse hat, die er befriedigen will. Das Gleiche gilt uneingeschränkt für alle anderen Menschen um mich herum. Alle Organisation der Verhältnisse, unter denen ich lebe, sollen genau diesem Zweck dienen, meine Bedürfnisse zu entfalten und zu befriedigen.

Entstanden sind alle gesellschaftlichen Organisationsbeziehungen aus dem Problem, daß die Befriedigung der Bedürfnisse des einen keinen Raum mehr für die Befriedigung desselben Bedürfnisses bei einer unterschiedlich großen Gruppe anderer bot.

Jede solche „Organisation“ war also ganz ursprünglich ein Mittel, um einen Teil der Menschheit zugunsten eines anderen von der Bedürfnisbefriedigung auszuschließen. Im Rahmen von gesellschaftlichen Kämpfen wandelte sich dies scheinbar zu einem bedingten Interessensausgleich. Dabei entstanden jedoch Bedürfnisse der zweiten Art.

Was ist, läßt sich erst einmal leichter im „Produktionsprozeß“ veranschaulichen. Kein Mensch brauch direkt Erdölfördertürme. Sie befriedigen kein unmittelbares „Bedürfnis“. Aber ohne die Türme kein Erdöl und – damit die Kette besonders kurz wird – mit Erdöl Kraftwerk, mit Kraftwerk Leitungen, mit Leitungen Strom, mit Strom Wärme … die braucht „man“ dann wirklich. (Autofahrer können sich ihre Kette selber denken.)

So ähnlich ist es mit dem Besitz von Geld. Für sich genommen ist es eigentlich sinnlos. Aber als Möglichkeit, es frei in unterschiedlichste Dinge irgendwann verwandeln zu können, verleiht sein Besitz zum einen das Gefühl einer gewissen (sozialen) Sicherheit zum anderen (in ausreichender Höhe) die Macht über das Handeln anderer Menschen. Das hier ein eigenständiges „Bedürfnis“ entstanden ist, beweist das Geschäft der Versicherungsgesellschaften. Der Wunsch, das Bedürfnis nach (materieller) Sicherheit wird durch den gehandelten Versicherungsvertrag zahlenmäßig greifbar. Genauso kann jeder Geldbetrag in eine Zahl von Mahlzeiten umgedacht werden.

Der Besitz von Geld schafft allerdings auch ein Bedürfnis nach Sicherheit der zweiten Art: Die erste Art wäre die Sicherheit, nicht zu krepieren, wenn man aus den verschiedensten Gründen nicht mehr so kann wie jetzt. Die zweite wäre die „Sicherheit“, die Sicherheit in Geldform nicht durch andere Menschen angerührt zu wissen.

Hier fängt es an absurd zu werden. Ein Leben in Sicherheit ist ein natürliches menschliches Bedürfnis. Es war schon in einer Zeit da, als Raubtiere noch stärker waren als die Menschen mit ihren technischen Möglichkeiten, und überall das Leben ein tragisches Ende finden konnte. Es wird gepflegt durch die ewige Unsicherheit vor Situationen, in denen man auf die Hilfe Anderer unbedingt (und eventuell sogar dauerhaft) angewiesen ist. Dieses Bedürfnis verkehrt, ja pervertiert sich in ein Bedürfnis, diese Sicherheit in Zahlen meßbar zu besitzen und vor den anderen Menschen, die einmal diejenigen sein könnten, auf die man angewiesen ist, zu schützen. Das ist verbunden mit der Möglichkeit, diese Sicherheit tatsächlich rauben zu können.

 

Ich träume mir diesen Ersatz, diese falschen Bezüge einfach weg.

Ich maße mir das einfach an.

Ich klammere erst einmal völlig aus, wie die für das Funktionieren meiner erträumenswerten Welt erforderlichen Veränderungen erreicht werden können. Allerdings muß ich natürlich sagen, welche das sind.

Die wichtigste Bedingung für die Entfaltung meines Systems ist seine einschränkungslose Durchsetzung weltweit.

Dann wäre ein grundsätzlich neues Zusammenleben aller Menschen möglich.

Ansätze davon könnten schon gelingen, wenn kapitalorientierte Lebensorganisation auf geringer gewichtige „Inseln“ zurückgedrängt wäre.

Die zweite Vorbedingung wäre, daß weltweit die elementaren Lebensbedürfnisse befriedigt sind.

Die dritte Vorbedingung ist die am kompliziertesten zu belegende: Für die überwiegende Zahl der Menschen müssen die beiden ersten Vorbedingungen für sie selbst als wahrscheinlich unumkehrbar angesehen werden.

Die vierte hängt mit der dritten zusammen. Sie liegt in einem durchgehenden Bildungssystem, das in nennenswertem Umfang Persönlichkeiten mit ethischer Reife hervorgebracht hat.

Diese Bedingungen haben außer einem sachlichen Zusammenhang auch einen zeitlichen: Die vierte Bedingung ist solange unerfüllbar, solange die ersten beiden nicht erfüllt sind, auch wenn in einem Übergangszeitraum an ihr gearbeitet werden kann.

Kern des Systems ist die Abschaffung des Geldes als allgemeinem Äquivalent jeden Tauschwertes, damit der Waren produzierenden Marktwirtschaft.

Ich höre schon das entsetzte Aufheulen einer fast ausnahmslosen Meute von Menschenwölfen und Pekinesenmenschen, die sich wenigstens in einem einig zu sein scheinen: Ein besseres System als die Marktwirtschaft gibt es erfahrungsgemäß nicht. Wenn überhaupt Politik etwas linker steuern sollte, dann höchstens, indem die Folgen dieser Marktwirtschaft sozialer gestaltet werden könnten. Das Ende der Planwirtschaften habe die Überlegenheit des Marktes über den Plan doch anschaulich bewiesen.

Doch erst einmal habe ich schon angesprochen, daß eine Planwirtschaft nicht dadurch entsteht, daß selbst ernannte Planer Pläne in die Welt koten über Dinge, die sie nicht selbst beeinflussen können.

 

Entscheidender aber ist, sich durch den Kopf gehen zu lassen, was alles an „Arbeit“ wegfiele, wenn es kein Geld mehr gäbe.

Da wird das Geschrei noch größer: Wir haben doch jetzt schon nicht genug Arbeit …

Da muß sich satanisch lachen: Ist es etwa der Sinn des Lebens, Arbeit zu haben? Zu arbeiten?

Ich habe doch zuvor extra behauptet, daß der Mensch dazu da ist, seine eigenen Bedürfnisse zu befriedigen. Das „Bedürfnis nach Arbeit“ ist im höchsten Fall ein Bedürfnis der „zweiten Art“, also ein Mittel zum Zweck.

Stellen wir das erst einmal zurück. Malen wir lieber eine Welt voll Milliarden frisch gebackener glücklicher „Arbeitsloser“.

Was gibt es alles nicht mehr?

-          Banken, Versicherungen und andere Geldinstitute,

-          Finanzbörsen,

-          Zollmitarbeiter,

-          Finanzämter und ihnen ähnliche Einrichtungen,

-          Öffentliche Kassen,

-          Kassiererinnen im bisherigen Sinn,

-          Polizeibereiche, die sich bisher mit „Eigentumsdelikten“ beschäftigen,

-          Kontrolleure und „Knöllchenschreiber“,

-          Betriebliches Rechnungswesen und immer mehr damit verbundene Teile betrieblicher Buchhaltungen,

-          Renteneinrichtungen,

 

Was fällt dabei auf?

Wenn man die Zahl derer, die sich mit Tätigkeiten der hier genannten Art heutzutage den Lebensunterhalt verdienen ins Verhältnis setzt zur Gesamtzahl der arbeitsfähigen Bevölkerung, und diesen Quotienten mit dem vergleicht, der zu Marxens Zeiten hätte herauskommen können, so ist dieser erheblich angewachsen.

Mit einem Schlag brauchen alle diese Menschen nicht mehr arbeiten.

Was werden sie tun?

Werden sie die Alkoholreserven der umliegenden Versorgungseinrichtungen plündern, um monate-, ja jahrelang sich im Nichtstun zuzudröhnen? Ich könnte mir gut vorstellen, daß es mit den Menschen meiner „modernen“ Zeit genügend solcher Erscheinungen gäbe. Und es werden natürlich noch mehr, je unattraktiver die wenigen verbliebenen Arbeitsplätze werden.

Es müssen sich als erstes also bestimmte Arbeitsbedingungen verändern. Das wäre zum einen die Arbeitszeit. Nur für Einsame und Familienflüchtlinge kann es vernünftig sein, die besten Stunden einer Woche bei einer nicht mit seinen individuellen Lebenszielen übereinstimmenden Arbeitsaufgaben abzutöten. Wenn wir alle heute in Deutschland verrichteten notwendigen Tätigkeiten (also unter Abzug der geldbedingten) gleichmäßig auf alle arbeitsfähigen Menschen aufteilten, kämen wir – wie gesagt nach heutigen Verhältnissen – auf weniger als 15 Stunden pro „Arbeitskraft“. Unter Berücksichtigung bedauernswert Arbeitsunwilliger und aus vielen Sondergründen zeitweise aus dem Arbeitsprozeß Herausfallender würde sich eine Normalwochenarbeitszeit von 25 Stunden ergeben.

 

Wer andererseits moderne Taktstraßen der PKW- oder ähnlicher Produktion sieht, erlebt, wie wenig körperliche Arbeit im Verhältnis zu in automatisierten Vorgängen vergegenständlichten geistigen Arbeiten schon jetzt übrig ist. Die Speicherkapazität einzelner Datenträger hat sich um Zehnerpotenzen von denen entfernt, die um 1970 real erreichbar schienen. Damit wachsen die Voraussetzungen dafür, alle wiederholbaren Produktionstätigkeiten roboterartigen Kunstwesen zu übertragen.

Ein weiteres Problem liegt in der Vorstellung von „Volkseigentum“ anstelle „Staatseigentum“. Solches „Volkseigentum“ muß sich natürlich in persönlich greifbare Verantwortlichkeiten weitgehend auflösen lassen. Sozusagen lösen konkreten Hausgemeinschaften das Problem, wie ihr Hausbereich aussehen soll, in eigener Regie und Umsetzung.  


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