jeden Tag neue Gedichte - von Slov ant Gali und Gästen
Durch Slov
Ach, ich lieb' den Herbst, den ollen.
Wenn die Himbeer'n prall und rund,
schöpf ich gerne aus dem Vollen
von dem Strauch direkt in'n Mund.
Aus der prallsten Beere, schade
zwinkert frech 'ne kleine Made ...
Mit der Lese meiner Trauben
muss ich schrecklich mich beeilen,
weil die Drosseln sie sonst rauben
und sich mit den Staren teilen.
Und aus knochentrock'nem Boden
darf ich die Kartoffeln roden ...
Meine Äpfel lieb' ich knackig,
doch der Baum mit lautem Krach
wirft sie, eh' sie gelb-rot-backig,
auf des Nachbarn Wellblechdach.
Faul'n sie dort zu Apfelmus,
nix is' mit Jonagold-Genuss ...
Vögel, die gen Süden ziehen,
machen in der Tanne Rast,
wären, wenn sie dort auch blieben
mir ein gerngeseh'ner Gast,
doch sie nutzen, welch Verschwörung,
den Balkon zur Darmentleerung ...
Birkenlaub will sich nicht lösen,
gelbt am Baume vor sich hin.
Wenn ich dann den Reisigbesen
wegstell', weil ich fertig bin
mit dem Fegen der Terrasse,
wirbeln sie über die Straße ...
Blätter dann - vom Sturm getrieben
und im Bund mit Regentropfen -
matschig in der Gosse liegen
und das Abflussrohr verstopfen.
Und man kann sie, ich könnt's schwören,
frech und höhnisch kichern hören.
Ach, und trotzdem lieb' ich diesen
Herbst mit mürrischem Gesicht,
und auch seine grauen, fiesen
Regentage stör'n mich nicht:
kann ich doch zu Hause bleiben
und Gedichte schreiben, schreiben, schreiben, schreiben
Eclipse Next 2019 - Gehosted von Overblog