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jeden Tag neue Gedichte - von Slov ant Gali und Gästen

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27.01.08: Anamnesis

Anamnesis

Oh, leise Dämmerung, woher kommt das Lied;
noch gar nicht müde finde ich keinen verlockenden Platz.
Oh, leise Dämmerung, bitte spiel das Lied,
und ich folge dir zum Mundharmonikanermorgen.

Nimm mich mit auf die Reise
deines Fliegenden Holländerschiffes
ich bin nackt und
meine Finger möchten greifen.
Ausgelatschte Treter streif ich von mir ab,
ich bin bereit, ins Irgendnirgendwo zu gehen,
bereit zum Überschreiten der letzten Grenze.
Ist da nicht ein Glockenklang,
bald werd ich es sehn.
Ich versprech´ wie ein Kind mich zu wundern.

Oh, leise Dämmerung, woher kommt das Lied,
wohin ich geh, wird keinen Menschen interessieren.
Oh, leise Dämmerung, bitte spiel das Lied,
und ich folge dir zum Mundharmonikanermorgen.

Nimm mich in die andre Welt
als Geist blase ich 
dem stinkenden Atem der Zeit Rauchringe ins Gesicht.
Frag nicht nach dem Kampf der Giganten,
die sich aus Spaß mit Blitzen bewerfen.
Weiß mich als Zwerg, doch spaziere unsichtbar
am sturmgepeitschten Strand,
ertanze das große Verzeihen.
Lass mich unter diamantnem Hochzeitshimmel drehen.

Oh, leise Dämmerung, woher kommt das Lied,
möcht bis morgen nur das Heute mal vergessen.
Oh, leise Dämmerung, bitte spiel das Lied,
und ich folge dir
in einen Mundharmonikanermorgen.

Mit einer Hand, die Wellen schlägt,
über der Silhouette der See
verschwimmen Erinnerungen und Hass,
versinken tief und
Atlantis kehrt nicht wieder…

Oh, leise Dämmerung, bitte spiel das Lied,
und ich folge dir
in einen Mundharmonikanermorgen.



Anamnesis ist das altgriechische Wort für Erinnerung.

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S
Lach: Dafür, dass sich Norbert das schon zum Frühstück reingezogen hat, kann ich nichts. Ich versuche immer, mein „Gedicht des Tages“ am Beginn meines Tages einzustellen.<br /> Was die Aussage betrifft, tut mir das nicht an, sie voll erklären zu müssen! Wie sollte ich das, was mir (hoffentlich) in einem lyrischen Gedicht gelungen ist, in prosaischen (und dann auch noch wenigen) Worten sagen.<br /> Gunda, du bist schon brennend heiß dran mit der "friedlicheren Wiedergeburt" (wobei ich an nichts Esoterisches glaube, es sei denn, es wäre als reines künstlerisches Mittel gedacht.<br /> Was nur noch fehlt, ist der sehnsüchtige (ja!) Aufschrei, wenigstens gelegentlich ALLES vergessen zu können, was mich bedrückt.<br /> Vergessen gehört doch zum Erinnern...<br /> Hmmm…??? Irgendwie habe ich mich selbst nicht überzeugt. Eine Stimmung lässt sich eben nur sehr unvollkommen beschreiben...
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G
Hallo Norbert,<br /> wenn ich deine Wikipedia-Erklärung in Zusammenhang mit Slovs Gedicht setze, passt das doch genau, zumindest dann, wenn du bei der Interpretation der Todessehnsucht bleibst. "Die Wiedererinnerung der Seele an Wahrheiten, die diese vor der Geburt bei der Ideenschau aufgenommen hat"... könnte doch die Hoffnung auf eine friedlichere Wiedergeburt am nächsten (Mundharmonikaner-)Morgen - verbunden mit wieder-erinnerten Wahrheiten ausdrücken (oder so ähnlich...)<br /> <br /> So, slov, nun bist du dran. Erzähle, was du dir dabei gedacht hast, heute derartiges zum Frühstück zu servieren...<br /> <br /> LG<br /> Gunda
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N
Welch schwere Kost zum Frühstück... Irgendwienirgendwie gefällt mir ja das Gedicht. Aber, du musst entschuldigen, Slov, um besser klar zu kommen, habe ich Wikipedia befragt. Nun versteh ich noch weniger:"Im Zusammenhang mit der Philosophie Platons ist mit Anamnesis die Wiedererinnerung der Seele an Wahrheiten gemeint, die diese vor der Geburt bei der Ideenschau aufgenommen hat ... Auch im Zusammenhang mit Platons Kritik an externen Speichermedien wie der Schriftlichkeit, die zu einer Verkümmerung des wahrhaften Erinnerns führen, spielt der Begriff der Anamnesis eine Rolle" Ich habe die beiden Sätze rauskopiert, damit ich nichts Falsches schreibe. Aber die Frage bleibt: Was ist gemeint? Mir kam das Gedicht erst wie eine Todessehnsucht vor...
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