jeden Tag neue Gedichte - von Slov ant Gali und Gästen
Schön wär es ja, denk ich für mich zuweilen, man könnte sich in seinen Bau verkriechen, dick eingemummt das Treiben sich beriechen - die Welt, so wie sie ist, hängt in den Seilen. Ich stell mir vor, das wäre doch sehr schön. Da oben schlägt man sich die...
Einst schon an der Mutterbrust hab ich Alkohol probiert. Mutter hat sich nicht geniert, fort zu trinken ihren Frust. Hab Geborgenheit gesucht bei den Jungen in der Stadt, liebeshungrig, nimmersatt, auf der Suche, auf der Flucht. Später wurd ich dann solid,...
Der Mensch ist nie zufrieden. Er muss meckern. Da kriegt er nun die schönste Welt serviert - er will sie nicht, er kann sie nur bekleckern. Ob Mann, ob Frau - man weiß, wohin das führt. Der platzt vor Neid. Der will uns alles rauben, was wir uns aufgebaut...
brauch' nicht Augen dich zu sehen kann dich rufen ohne Mund ungesagtes Wort verstehen und ich spür' zu jeder Stund' deiner Fingerkuppen Tänze trennen uns auch Meer und Land für Gefühl gibt’s keine Grenze denn uns eint ein Zauberband wär' ich Komponist...
In Deinen Augen sehe ich das leise Plätschern des Baches, dem der müde Wanderer folgt, unter Bäumen, die gigantisch, gleich Ozeanen nur den stärksten Strahlen der Sonne- schimmernd das Dunkel der Tiefe verraten. In deinen Augen sehe ich das Läuten ferner...
Weil er vor Angst sich in die Hosen macht, versteckt kein Nazi sich in unserm Land. Der hat vielleicht mal einen umgebracht, bloß - unserm Staatsschutz fehlt der Informant. Der Nazi kam ihm einfach so abhanden. Das kann passieren, ist doch sonnenklar!...
Der alte Hofhund hätte gern einmal zartes Hühnerfleich gefressen allein die Federn störten im Maul und überhaupt indessen. So erklärte er den Hennen die letzte Mode mit der sie jeden Hahn zum Hüpfen brächten sei federlos nackt sich darzubieten und sollten...
Ausgestiegen bist du mit geflicktem Herzen und heiserer Stimme nach den Schmerzensschreien bei jedem Stich Wo ein Tropfen deines Blutes auf meinem Platz zurückblieb lebst du als Spinne die mir Kokon um Kokon reicht deine Schmerzen mit Worten umwoben Ich...
Neunzehnhundertachtundsechzig fand in Mexico Ciudad feierlich, pompös und prächtig die Olympiade statt. Damals gab es für Millionen Hungerlöhne, keine Renten. Es kam zu Protestaktionen mexikanischer Studenten. Presidente Ordaz fragte, was zu tun sei in...
Ein Herr in seinen besten Jahren, mit grauen Schläfen, welterfahren, ging ins Café der Philosophen, um in das Neue Jahr zu schwofen. Ein kleiner Tisch in einer Ecke schien ihm geeignet zu dem Zwecke, sich erst mal ruhig hinzusetzen, um sich am Treiben...
Liegend auf dem Rücken-ich, die Arme ausgebreitet wie Schwingen, die Beine geschlossen- verliebt, verzaubert, verrückt, verschossen. Sitzend auf mir- Du, die Haare zerzaust- Löwenmähnen gleich, die Beine gespreizt- versunken, trunken, verrückt, gereizt....
Ich bin wohl selber schuld. Ich weiß genau, mein Fehler ist, dass ich nicht schweigen kann. Kein Unrecht wird mich zwingen zum Kotau, ich beug mich nicht vor jedem Biedermann. Es triumphiert zu oft die Niedertracht. Was edel ist, wird in den Schmutz getreten,...
Es gibt mitunter Sachen, die kann man nur belachen, weil sie unmöglich sind. Das weiß doch jedes Kind. Zum Glück wird oft in Leben die Stimme abgegeben. Doch kommt es trotzdem vor, danach singt man im Chor mit Stimme und Humor. Wie oft wurd unberauscht...
Was hab‘ ich wie bewegt, hab‘ ich Barrikaden gelegt, Meinungen vom Tisch gefegt, Veränderungen mutig angeregt? Hab‘ ich Freunde, echte, kämpf‘ ich um meine Rechte, erkenn‘ ich das Gute und Schlechte, steh‘ ich aufrecht im Tagesgefechte? Hab‘ ich oft gelogen,...
Wie Giraffen hängen sie ihre langen Hälse aus den Fenstern man möchte meinen die wissen mehr über die neuen Mieter als die Mieter selbst. Nimm ihnen ihre Neugier nicht krumm es ist Interesse und nicht Niedertracht über die Hecken & Mauern haben sie dich...
In den Stiegen liegen blank geputze Äpfel der nie mehr Erkenntnis für fast schon geschenkt und drei Kilo gibt es sogar zum Preis von zweien. Die Früchte des verbotenen Baumes sind voll Flecken manche noch grün manche sauer manche schon faul Wie soll man...
Auf den Tribünenplätzen sitzen die, die hinter Gittern sitzen müssten. Auf den Feldern unterhalten sie Football-Rammler, Sambatänzerinnen oder Tennisschülerinnen. Manchmal sucht das Reservevieh nach dem Regelbuch. Analphabeten lesen laut, wie sie es verstehen....
Ich ging durch Hass, Verleumdung ohne Zahl, allein war ich, wie man allein nur sein kann. Wie litt ich, kämpfte mit mir manches Mal. Und blieb ein Mensch dabei, wie jedermann. Sie wollten mich am Boden wimmern sehen, doch ich erhob mich jedes Mal aufs...
Es irrt der Mensch, solang er strebt, und Goethe meinte, dass nur so er lebt. Das hieße doch, genau besehn, da Leben selbst als Irrtum verstehn. Das mag dann jeder für sich entscheiden. Ich aber möchte dann doch vermeiden, noch jemanden filosofisch zu...
O Nacht, du liebe Nacht! Wie du mich quälst, dass ich aus tiefem Schlaf erwacht und schrei! Wohl scheint’s, als ob du nicht nur Sterne zählst, wirfst Schatten mir in meine Träumerei. Des Tags Gelärme hallt im Traume wider, der Schläfer stöhnt, ihn hält...
Ich ging zu nem Geburtstagsfeste, dort waren eine Menge Gäste. Unser Freund Thomas wurde dreißig, das feierten wir froh und fleißig. Die Korken knallten, Gläser klangen, die Gäste tanzten, spielten, sangen, auch ich las ein paar Verslein vor, Musik drang...
Starke Frauen tanzen des Nachts auf hohen Absätzen um erdachte Feuer zeitlosen Zigeunern gleich Lassen wir die alten Tage zurück zwischen Steinen Über den Bergen finden wir Liebe ohne Lügen wie sie der Verstand verlor In durchsichtige Mäntel gehüllt lieben...
Vergiss mal heute nicht den Blumenstrauß und die Pralinen. Die schluchzt dir dann gleich los: Du hast daran gedacht! Und du bist raus. Was, Alter, hast du denn dagegen bloß? Ach nee. Du meinst, der blöde Weiberkram, der kann dir mal. Hast nichts am Hut...
Die Nacht ist tief und finster, voller Grausamkeit. Oft fehlt mir der Mut. Seh’ keine Hoffnung weit und breit. Will doch fliegen in die Ferne, einfach sein, die Angst endlich verlier’n, von den Zwängen mich befrei’n. Und dann hör’ ich euer Lied, ‘singt...
Man hat so seine Meinung. Die ist teuer. Die hat man schwer errungen, das ist klar. Nicht jedem ist sie immer nur geheuer, denn meist ist sie ein Einzelexemplar. Nun hält man Meinung für das A und O. Dass man sich irren kann, schließt man gleich aus....