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  • Lyrik-Veröffentlichungen "worträume" allein, "Mit Blindenhund durchs Liebesland" zusammen mit Ricardo Riedlinger und Volker Brauer und als einer von 10 Autoren aus Israel, Österreich und Deutschland: 10 X 10 = 100,
Prosa: "Planet der Pondos" (Rom
  • Lyrik-Veröffentlichungen "worträume" allein, "Mit Blindenhund durchs Liebesland" zusammen mit Ricardo Riedlinger und Volker Brauer und als einer von 10 Autoren aus Israel, Österreich und Deutschland: 10 X 10 = 100, Prosa: "Planet der Pondos" (Rom

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Waltraud Käß, Berlin, 67, Rentnerin

Eine Kartoffel

Eine autobiographische Geschichte

  

Ach, ist das ein schöner Sommertag. „Mama, ich will spielen gehen“, sage ich und schaue sie fragend an. Draußen warten meine tschechischen Freundinnen. Ich wohne jetzt in ihrem Dorf. Wir sind nämlich auf der Flucht.

„Das geht nicht, Kind“, sagt Mama, „ Du musst auf Uschi aufpassen. Ich muss noch was besorgen und wenn ich wiederkomme, kannst Du raus.“ Ein paar Tränen rinnen über mein Gesicht. Aber die Aussicht auf später trocknet sie dann schnell. „ Mama, ich hab Hunger“, sage ich. Mama dreht sich beim Hinausgehen um und sagt „Ich komme gleich wieder“.

Es ist früher Vormittag. Uschi schläft, eingewickelt in eine Decke, auf der harten Bank, die jetzt unser Bett ist. Sie ist noch ein Baby. Wir haben keine Wohnung. Wir haben ein Zimmer bei einer tschechischen Frau. Die ist schon ganz alt und trägt immer ein schwarzes Kopftuch. Ich fürchte mich vor ihr. Neulich kam sie ins Zimmer, als Mama nicht da war. Im Fußboden gibt es eine Tür mit einem Vorhängeschloss. Die hat sie aufgeschlossen und ist eine Treppe hinunter gestiegen. Ich habe um die Ecke geschmult. Ein Keller. Ich drückte mich in die Ecke zurück und hatte Angst, dass sie mich dort runter zieht, wie die Hexe in Hänsel und Gretel. Dann tauchte sie wieder auf. Sie hatte zwei Gläser in der Hand. Krachend knallte sie die Tür zu, der Schlüssel knirschte im Schloss. Ist ja auch  ganz rostig. Sie ging aus dem Zimmer, ohne ein Wort zu sprechen. Ich habe Mama nichts davon erzählt.

Mama kommt zurück und sagt“ Jetzt kannst Du nach draußen gehen. Aber vergiss nicht, Deine weiße Binde um den Arm zu legen, sonst sperren Dich die amerikanischen Soldaten ein.“ „Mama, ich bin doch schon groß. Das habe ich schon gelernt. Die Einheimischen tragen rote Binden und die Flüchtlinge weiße“, sage ich und wickele mir die weiße Binde um den dünnen Oberarm.

Uschi wird wach und fängt an zu quengeln. Ich sehe, wie Mama ihre Bluse aufknöpft und meine kleine Schwester an ihre weiße Brust legt. Ob das schmeckt? „Mama, habe ich davon auch schon mal getrunken?“„Ja, da warst Du aber noch ganz klein“. Ich höre das schmatzende Geräusch, welches Uschi von sich gibt und sage „Mama, ich hab Hunger, ich hab doch heut noch nichts gegessen“. „Du wolltest doch spielen gehen, nun geh schon Kind“, sagt Mama und streicht mir übers Haar.

Wir spielen mit dem großen bunten Ball und ab und zu verschwindet eine meiner tschechischen Freundinnen, wenn in einem der Häuser ein Fenster aufgeht und die Mutter etwas ruft. Ich kenne sie schon alle, aber ich verstehe sie nicht.

Es riecht nach gekochten Kartoffeln und auch ein anderer Geruch zieht in meine Nase. So roch es immer, wenn Mama am Sonnabend die Rouladen in unserer kleinen Wohnküche anbriet, während Papa, wenn er Soldatenurlaub hatte, mich in der großen Zinkbadewanne badete. „Papa ist im Krieg“, sagte Mama, wenn ich nach ihm fragte.

„Mama, ich hab Hunger“. „ Weißt Du was? Wir gehen jetzt mit Uschi in den Wald spazieren. Vielleicht sehen wir ein Reh oder ein Eichhörnchen.“ Au ja, ich bin Feuer und Flamme. Es ist später Nachmittag, als wir zurückkommen. Uschi schmatzt schon wieder an Mamas Brust. „Mama, ich hab Hunger. Mama, warum weinst Du denn?“  „Wir haben nichts mehr zu essen,

 

Kind. Unsere Ration ist alle. Der Kaufmann hat mir heute früh nichts mehr geborgt. Jetzt bleibt uns nur noch das Betteln“.

„Mama, ich geh betteln, wir müssen doch was essen“. Ich denke an die Mütter meiner Spielkameradinnen und den Geruch, der aus den Fenstern zog. Ich klopfe an die erste Tür. „Ich habe Hunger und meine Mama auch, kannst Du mir was geben?“ Meine Hand streckt sich der Tür entgegen. Böser Blick. Tür zu.

Sie hat mich nicht verstanden. Ich spreche ja nicht tschechisch. Die nächste Tür. „Hast Du noch eine Kartoffel übrig, ich habe Hunger?“ Die Antwort verstehe ich nicht, ich spreche ja nicht tschechisch. Tür zu. Ich klopfe noch an drei Türen. Immer wieder wird die Tür geschlossen. Noch einmal versuche ich es. Weinend strecke ich meine kleine Hand aus. Die Frau scheint mich zu verstehen. In meine Hand wird eine große warme Pellkartoffel gelegt.

„Mama, Mama, guck mal, was ich mitgebracht habe“. „Mama, warum isst Du denn nicht, hast Du keinen Hunger“? „Nein, und ich bin schon groß und Du musst erst noch groß werden“.

„Mama, ich möchte nie mehr betteln gehen.“ „ Ja, mein Kind“.

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