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  • Lyrik-Veröffentlichungen "worträume" allein, "Mit Blindenhund durchs Liebesland" zusammen mit Ricardo Riedlinger und Volker Brauer und als einer von 10 Autoren aus Israel, Österreich und Deutschland: 10 X 10 = 100,
Prosa: "Planet der Pondos" (Rom
  • Lyrik-Veröffentlichungen "worträume" allein, "Mit Blindenhund durchs Liebesland" zusammen mit Ricardo Riedlinger und Volker Brauer und als einer von 10 Autoren aus Israel, Österreich und Deutschland: 10 X 10 = 100, Prosa: "Planet der Pondos" (Rom

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Lesungen

27. März 2008 4 27 /03 /März /2008 04:29

Dankbare Momente

Wenn man den Fernseher einschaltet
und die Livebilder
des Krieges
kommentiert
von embedded Reportern
an einem vorüberziehen
und ein flaues Gefühl
im Magen hinterlassen 

wenn der Verstand
einem deutlich sagt,
dass wieder Dinge passieren
die schon einmal passiert sind
und die nicht mehr geschehen dürfen
wenn das Herz sich meldet
und man spürt,
dass es Zeit ist
aufzustehen, hier und jetzt
die Stimme zu erheben
gegen Unterdrückung,
Unrecht und Willkür 

dann sind das Momente
in denen man dankbar sein sollte
für das Aus
an der Fernbedienung.
 

aus „Zwei Liter Sokrates- Denkanstösse“

Jörg Endres, Nürnberg, 30 Jahre


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26. März 2008 3 26 /03 /März /2008 05:12

Letzte Meldung eines Soldaten

 

Ich war ein Gewehr.
Ich war ein Finger am Abzug.
Wir rannten durch die Nacht, Seite an Seite.
Wir marschierten.
Du hast mir Briefe geschrieben.
Du hattest Angst.
Er hat mir auf die Schulter geklopft.
Er hat diesen Krieg begonnen.
Ihr habt uns bejubelt.
Ihr habt um uns getrauert.
 

Jetzt bin ich ein Mensch.
 

Ich bin ein Stück Fleisch im Sarg ihr braucht die Fahne um mich zu erkennen.
Ich bin tot ich werde nie mehr die Sonne sehen.
Wir sind Werkzeuge des Krieges nehmt neue wir sind kaputt.
Du bist eine Witwe warum hast du mich gehen lassen.
Du bist mir so kostbar warum darf ich dich nie wieder sehen.
Er ist ein guter Mann sagen sie.
Er ist kein Soldat warum führt er dann Krieg.
 

Jetzt sehe ich was meine Augen nicht sehen wollten.
 

Ihr seid nur Zuschauer ihr werdet mein Bild vergessen.
Ihr seid so weit weg von hier dankt dafür an jedem Tag.
Ihr seid es die einem Menschen die Entscheidung über Krieg oder Frieden überlasst.
Ihr seid es die Kinder Männer Freunde Frauen Sicherheit verlieren werdet.
Er wird wieder gehen doch die Wunden bleiben, die Trümmer bleiben.
Er wird eines Tages sterben ohne einen Feind erschossen zu haben.
Du wirst einen anderen Mann finden du solltest das Land verlassen.
Du wirst eines Tages sterben ohne zu wissen wie ich starb.
Ich werde ein Held sein bei euch.
Ich werde ein Feind bleiben für die anderen.
 

Ich bin ein Mensch.
Endlich
Bin ich
Ein Mensch.
Der Tod macht uns alle gleich.

Stella Adami, Kirchehrenbach, 16 Jahre

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25. März 2008 2 25 /03 /März /2008 05:42

April 1993

 Und wenn die Nacht schreit....

 .....Nein!
Die Nacht schreit nicht.
Ich schreie in der Nacht,
das Blut,
die Nebel,
die Adern. 

Das Blut aus den Schüssen,
die Nebel aus den Gaskammern,
die Adern,
in die Gift gespritzt wurde. 

Nein, die Nacht schreit nicht.
Ich schreie in der Nacht
um meinen Bruder,
um meine Cousine,
meinen Vater
und seine Gerechtigkeit,
um deinen Vater
und seine Gerechtigkeit. 

Heute treffen wir uns
an Denkmälern,
immer wieder,
die umgeworfen werden,
manchmal bei Sonnenaufgang
zum Kuss.

M. S. Chazara, Givataim (Israel), 56 Jahre

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24. März 2008 1 24 /03 /März /2008 06:10

April 1963

 
Wenn ich zur Wand schaue 
habe ich Schmerz, 
links. 

Immer links, und nur
dort. 

Die Wand ist grau, 
aber Schmerz. 

Herzmuskelentzündung 
sagt Doktor Maibrand,
und Blutuntersuchung. 

Wanduntersuchung
ergibt graues Blut
und kleinen Schrei,
links. 

Immer links, und nur
dort. 

Aspirin,
wird gesagt,
hilft
gegen Bilder
und Gefühle.

 

M. S. Chazara, Givataim (Israel), 56 Jahre

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23. März 2008 7 23 /03 /März /2008 06:18
April 1913


der boden flüstert
kohle und eisen
unter unseren mühlen
unter unserem boden
immer lauter 

wir machen ein erstes
familienfoto
mit blitz
und sehen alt aus 

geld
schreit es überall
und nicht pinunzen 

was wird werden
aus groschen, dem gulden
den dukaten und silberlingen? 

was wird werden
aus dem mehl
von dem wir leben? 

feinde wurden erkoren
ohne uns 

und kanonen


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22. März 2008 6 22 /03 /März /2008 06:22

April 1903

 
Gerüchtige Worte flüchten
von Mund zu Mund
und durch uns hindurch
mit dem Ostwind
in den Abendwolken. 

Der volle Mond flüstert
mir Esters Liebe vom März
und unsere Mühlen malen
das schlesische Korn gut
gegen Progrom und Kreuz. 

Israel höre ich manchmal
im Schreien der Esel
und Maultiere beim Beladen
für den schwarzen Adler
Preußens an der Oder. 

In der Ferne das Eine
so unverständlich nah
und das Andere weit
ohne Davids Stern
am Morgen-Himmel. 

Moitl, solle mi gehn?

M. S. Chazara, Givataim (Israel), 56 Jahre

Bei dem  Autor fiel der Jury die Entscheidung besonders schwer. Eingereicht war ein Zyklus von zehn Gedichten, der die Situation einer jüdischen Gemeinschaft im 20. Jahrhundert blitzlichthaft über jeweils ein Monatsgedicht zum April des dritten Jahres jeden Dezenniums erhellen sollte. Letztlich entschieden wir zuerst, dass eigentlich erst der Zyklus als Ganzes wirkte … und dann, dass der Zyklus zu lang würde innerhalb des Programms. Trotzdem entschieden wir uns für einige Beispiele, die wir in die Anthologie aufgenommen haben.


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21. März 2008 5 21 /03 /März /2008 05:59

Ein Limerick

Ein Geldmann aus Groß-Vernieden

fuhr schnell zum Fest für den Frieden.

sprang aufs Podest,

schrie in das Fest:

„Ihr Diebe, lasst mich in Frieden!“

 

Wolfgang Fehse, Berlin

 

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20. März 2008 4 20 /03 /März /2008 05:34

Also

 

…waschen wir

unsere Hirne in Unschuld.

… sind Hundertmeterläufer,

die auf der Stelle treten.

… kennen jede Datenautobahn,

doch den Weg zum Nachbarn nicht.

… riskieren,

dass Mutter Erde

uns den Hintern versohlt,

weil wir so gern zündeln

auf ihrer Haut.

Also

Leben wir?


Wolfgang Hoffmann, Berlin

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19. März 2008 3 19 /03 /März /2008 06:07

Rat

 

Wirf die Flinte fort,

doch nicht ins Korn,

denn Eisen, Blei und Brot

mischen sich nicht.

Wolfgang Hoffmann, Berlin

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18. März 2008 2 18 /03 /März /2008 06:37

Das Feld

 

Knochen

Schimmernd weiß,

auf totem Boden.

Schädel,

wie zerbrochene Krüge,

leer.

Reste,

von zerhacktem, verglühtem Eisen.

Von alldem träumte mir –

Von der Ehre nicht.

Wolfgang Hoffmann, Berlin

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17. März 2008 1 17 /03 /März /2008 06:45

ORTHOGRAPHIE

 

Das Wort FRIEDEN schreibt man mit einem Kinderlächeln
das Wort FRIEDEN schreibt man mit dem Schrei eines Neugeborenen
das Wort FRIEDEN schreibt man mit dem ersten Kuss
das Wort FRIEDEN schreibt man mit dem Frühling im Mai. 

Das Wort FRIEDEN schreibt man mit dem ersten Flug
das Wort FRIEDEN schreibt man mit dem Gesang der Nachtigall
das Wort FRIEDEN schreibt man mit dem Sonnenlicht
das Wort FRIEDEN schreibt man mit dem Schweiß der Arbeit. 

Das Wort FRIEDEN schreibt man einmal mit dem Tag
das Wort FRIEDEN schreibt man einmal mit der Nacht
das Wort FRIEDEN schreibt man manchmal mit dem Tod
das Wort FRIEDEN schreibt man immer mit dem Leben.


Pop, Mircea

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16. März 2008 7 16 /03 /März /2008 06:30

für den frieden

 

gerüstet
mit narben
aus dem schmerzensmorast
rattern die lügen 

wer schweigt, irrt
wer redet, verschweigt 

um die hüften der welt
der lockere colt
der himmel skalpiert
die hölle liegt frei 

in schutzzonen wird das große
erblinden geübt 

trotzdem bleibt dieses hoffen
diese sehnsucht nach leben

 

Rafael, Julia

 

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15. März 2008 6 15 /03 /März /2008 07:00

Danach

Es war diese Stille
die mir entgegenschrie nachdem
die Truppen gegangen waren
im Gleichschritt vorbei
an verbrannten Feldern
und dem leeren Tempel
in dem noch eben ein Engel blies
den letzten Zapfenstreich.



Mundhenk, Christina, Weilburg an der Lahn, 36 Jahre

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14. März 2008 5 14 /03 /März /2008 07:02

Die Kriegsherren

Die                                             Fast möchte man ihnen glauben
kriegsherrn                                 wenn man ihnen nicht
behaupten:                                  den
            sie müssten das gesicht wahren
und gingen der sache nun auf den grund
             es ginge um des landes ansehen
                      und des menschen würde


Erik R. (Der Ohrenschützer), Wien

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13. März 2008 4 13 /03 /März /2008 06:04

KRIEG

Kanonen
Raketen
Irrtum
Einbruch
Gewalt

Klagen
Rache
Immer
Ein
Gegen

Kinder
Rennen
In
Eiliges
Grab

Keine
Rettung
Im
Eiskalten
Getriebe

Als Ausblick auf die Fortsetzung der Friedenslesungsinitiative übergab Frau Elisabeth Hackel, Berlin, 83 Jahre, während der Lesung am 1.9.2007 einen Umschlag mit ihren Beiträgen für den nächsten Friedenslesungswettbewerb. Darunter befand sich dieser.

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12. März 2008 3 12 /03 /März /2008 07:20

Alb Traum

Ich habe geträumt
ich gehe barfuß durch duftende Blumen
wandere in einem verwunschenen Wald
fliege hoch über tosende Flüsse
und stehe in feinkieselndem Sand. 

Ich bin aufgewacht
und stehe statt in Sand auf stinkendem Öl
fliege über rote Meere voll Blut
wandere zwischen kahlgeschorenen Bäumen
und gehe über ausgedörrte Erde. 

Ich habe geträumt
ich höre das blubbernde Murmeln des Baches
verstehe das helle Gezwitscher der Vögel
lausche dem stürmischen Geheul des Windes
und erhasche das kichernde Lachen eines Kindes. 

Ich bin aufgewacht
und höre das wehklagende Schreien der Menschen
vernehme das Zischen der bleiernen Kugeln
erschrecke vor nicht erlöschenden Feuern
und lausche-

            doch ich höre nicht einen friedlichen Ton.


Speer, Maria, 31jährige Hobbyautorin aus Rochlitz


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11. März 2008 2 11 /03 /März /2008 06:33

Ostern 1945

 
Die Seele lauschte
wie der Schnee taute
wie das Herz pochte
wie der Bach rauschte. 

Osterglocken läuteten laut,
in der alten Dorfkirche, durch
einen Spalt – ein Sonnenstrahl
erhellte die Braut in Weiss. 

Der Schnee verschwand.
Die Luft wurde schwer und heiss,
im Tal donnerten die Kanonen, und
am Bach weinte die Braut in Schwarz.


Margita Osusky-Orima, Wallisellen (Schweiz), 77 Jahre

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10. März 2008 1 10 /03 /März /2008 06:42

Als im Herbst 1944                                                       

die Heimatsterne vom Himmel rutschten,
als die Rosenblätter der Wind verwehte,
als der Lorbeerkranz der Cäsaren verwelkte,
und der nächste Kriegswinter auf die Tür klopfte,
blieben deine Lippen Liebste,
feucht und warm.

Margita Osusky-Orima, Wallisellen (Schweiz), 77 Jahre

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9. März 2008 7 09 /03 /März /2008 07:11

Der lange Atem des Lebens

Das Leben – wie man weiß –
Begann im Meer
Mit Steinen, Pflanzen,
Fischen und Insekten,
bis sich die Menschen
auf zwei Beinen reckten.
 

Das Leben – wie man weiß –
Ließ sich bisher
Noch nicht sio ganz beirren
Und zerstören,
doch die sich
„Krone aller Schöpfung“ nennen,
sind hart im Einsatz,
sie sind groß im Rennen,
das Ende dieser Erde
zu beschwören,
des Lebens langen Atem zu verhindern.
 

Wie sag ich´s meinem Gott
Und meinen Kindern?

 

Brigitta Weiss, Bad Lauterberg

 

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8. März 2008 6 08 /03 /März /2008 07:08

Ich habe dich auf die Welt gebracht,
damit auch du den Glanz der Sonne siehst,
damit auch du die dunklen Schatten fliehst,
die uns gebiert die Einsamkeit der Nacht. 

Auch du sollst spüren, wie ein Windhauch kühlt
Nach einem langen heißen Sommertag,
was schon ein kleines liebes Wort vermag,
wenn man sich manchmal so verlassen fühlt. 

Du sollst erfahren, wie man Liebe schwört
Und glauben will, dass alles ewig währt,
wie man die grüne Zukunftshoffnung nährt,
am Duft der Blütenträume sich betört. 

Du sollst dich freuen an Musik und Tanz,
an Schmetterlingen und an Vogelsang.
Ach, werde selbst ein Lied, ein tiefer Klang,
ein Flügelschlag, ein warmer Augenglanz. 

Du sollst erkennen, dass es immer lohnt,
zu leben, nur um einfach da zu sein,
um sich zu lieben, um sich zu verzeihn,
um Gott zu suchen, der in allem wohnt.


Brigitta Weiss, Bad Lauterberg

(Den Text hat die Autorin bei der Lesung durch einen nicht zum Wettbewerb eingereichtes Buchenwaldgedicht ersetzt. Da er durch die Jury ausgewählt worden ist und die Autorin die Ersetzung nicht formal gefordert hat, bleibt an dieser Stelle der Wettbewerbstext.)


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7. März 2008 5 07 /03 /März /2008 07:20
Gern wär ich eine von den alten Eulen,
die nachts die Welt durch große Augen sehn,

dann müsste ich nie mit den Wölfen heulen

und trüge keine Eulen nach Athen.
 

Geräuschlos schwebend säh ich viele Dinge
Bei Nacht von oben schärfer als im Licht;
Und meine Auge, großgerahmt durch Ringe
Beherrschten – wie bei Sehern – das Gesicht. 

Reglos verschliefe ich der Tage Stunden,
fernab vom Lärm und sinnlosem Geschrei;
flöge im Dunkel lautlos meine Runden,
im Schoß der Nacht geborgen, und doch frei.


Brigitta Weiss, Bad Lauterberg

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6. März 2008 4 06 /03 /März /2008 07:05

Vier Ecken

Die Tagwelt meines Kindes hat vier Ecken,
in denen kann es sich gekonnt verstecken,
in denen müllt es sich behaglich ein. 

Hier kann es spielen, schmollen, heimlich naschen,
Schätze vergraben aus den Hosentaschen,
und manchmal schläft es dort im Sitzen ein. 

Und wenn dann kleine Freunde es besuchen,
gibt es in einer Ecke Saft und Kuchen,
in die drei anderen verreist man dann. 

Sie sind jetzt Meer, Gebirge oder Wüsten,
wohin sie brummend mit dem Flugzeug düsten,
und wo man sie nicht mehr erreichen kann. 

Vier Ecken braucht das Kind, sich wohlzufühlen,
vier Ecken, um sich mollig einzuwühlen,
benutzt sie bald als Höhle, bald als Nest. 

Ich wünsche ihm für zukünftige Zeiten,
dass man ihm stets die vier Geborgenheiten
In seinen eigenen vier Ecken lässt.


Brigitta Weiss, Bad Lauterberg

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5. März 2008 3 05 /03 /März /2008 06:20

Mein Gott heißt Lessing

Sie nennen es „Streit der Kulturen“,
doch geht es ihnen dabei nur
um religiöse Leitfiguren.
Wo bleibt beim Streit da die Kultur? 

Sind Kreuzzüge erneut im Kommen?
Bekämpft der Muselman den Christ?
Ist Krieg ein Mittel für die Frommen?
Da bleib ich lieber Atheist.

Schon siebzehnhundertneunundsiebzig
Beschwor Herr Lessing seine Zeit:
Wer Hass statt Liebe sät, begibt sich
Auf Wege zur Unmenschlichkeit. 

Mich macht der Religionsstreit bange.
Es kommt nur Übles dabei raus.
„Nathan, der Weise“ sprach schon lange
vor unsrer Zeit die Wahrheit aus.

Er hasste den ununterbrochenen
Disput um Heiligkeit und Schmach:
„Es eifre jeder seiner unbestochenen
von Vorurteilen freien Liebe nach.“


Wolfgang Reuter, Berlin

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4. März 2008 2 04 /03 /März /2008 06:12

Umgedacht

 
Als stark sich hob die Herrscherhand,
entdeckte eine Weinbergschnecke
die Liebe zu dem Vaterland
und bot sich an als Waffenrecke. 

Den Brief gab sie der Tante mit
die wollte ihn zum Postamt bringen.
Da sie jedoch an Durchfall litt,
zerlief die Tat mit diesen Dingen. 

Der Krieg kam übers Land gezogen,
und viele starben in der Schlacht.
Die Schnecke fühlte sich betrogen,
denn keiner hatt’ an sie gedacht. 

Kaum war der Friede heimgekehrt,
begann sich dieser Gram zu lichten.
Sie lebte, liebte unbeschwert,
vergaß die hehren Heldenpflichten. 

Beim Frühjahrsputz im Haus der Tante
fand sie schockiert den Brief am Klo.
Für damals schalt sie die Verwandte,
für heute fand sie’s besser so.


Rolf Stemmle, Regensburg, 45 Jahre, Theaterautor

(aus „Der Mensch im Tier“)

(Der neunte Preisträgertext.)

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3. März 2008 1 03 /03 /März /2008 05:35

Werdende Mutter

Lass es keinen Sohn sein
O Gott,
was in meinem Schoß
sich bereitet – 

Lass es keinen Sohn sein
O Gott,
denn Söhne
werden geboren zum Töten
und zu sterben
wenn zu töten befohlen wird.

Lasst uns ausbrechen
Ihr Frauen
Aus dem Strom
Der klaglos Leidenden:
Der Witwen und Mütter
Der verlassenen Bräute
Und Waisen, die nicht wissen
Was Väter sind 

Lass uns nicht mehr gebären
O Gott
Töter und Getötete
Zukünftiger Schlachten – 

Lasst uns
Ihr Mütter
In die Gräber des Wahnsinns
Den Samen des Friedens senken
Und endlich Mütter
Des Lebens sein.

Wilma Klevinghaus



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